Hand in Hand für einen Strukturwandel im Donbass

Strukturwandel im Donbass - Germanwatch

Gemeinsam mit kommunalen und zivilgesellschaftlichen Partner*innen aus der Ukraine unterstützt Germanwatch den sozialen und ökologischen Strukturwandel in der vom Krieg gebeutelten Kohleregion Donbass.

Mehrere hunderttausend Menschen sind im Donbass von den Folgen des Krieges betroffen und gleichzeitig abhängig von der Kohleförderung. Sie brauchen dringend neue Perspektiven, damit keine neuen sozialen und politischen Konflikte entstehen. Erneuerbare Energien bieten der Region viele Chancen: neue Arbeitsplätze, Wertschöpfung vor Ort sowie Beteiligung für die Menschen. Deshalb unterstützt Germanwatch bereits seit 2017 die Kohlestädte im Krisengebiet Donbass dabei, Alternativen zur Kohle zu entwickeln.

Wir stärken besonders zivilgesellschaftliche Akteur*innen dabei, eine starke, eigene Stimme in der Transformation zu entwickeln. Die sieben Kohle-Monostädte des ukrainisch kontrollierten Donbass haben sich dabei in einer Plattform aller zusammengeschlossen. Sie ist das erste Kooperationsformat dieser Art in Osteuropa und direktes Resultat des erfolgreichen Projektes. Nichtregierungsorganisationen (kurz: NGOs) sitzen hier mit den Stadtverwaltungen gemeinsam an einem Tisch, machen inhaltliche Vorschläge und gestalten Konzepte für Pilotprojekte mit (Solar-PV, neue Bildungsangebote an Berufsschulen).

Gemeinsam mit Kommunen, NGOs, Journalist*innen und Studierenden begleiten wir den Kohleausstieg und erarbeiten neue Visionen und konkrete Projekte. Die Menschen des Donbass können so die Transformation einer abgehängten Krisenregion aktiv mitgestalten! Unterstützen Sie unsere Arbeit, damit wir gemeinsam von Transformationserfahrungen lernen und die Energiewende in Europa vorantreiben können!

„Auch im Donbass weht der Wind stark genug“


„Auch im Donbass weht der Wind stark genug“

Deutschland und die Ukraine haben vor kurzem eine Energiepartnerschaft unterzeichnet. Strukturwandel von Kohleregionen ist dabei ein zentrales Thema. Germanwatch unterstützt seit 2017 die Kohlestädte im Krisengebiet Donbass (Ukraine) dabei, Alternativen zur Kohle zu entwickeln. An diesem Projekt sind auch Bürgermeisterin Liudmilla Biletska und NGO-Aktivist Vladimir Oros beteiligt. Mit Martin Schön-Chanishvili tauschten sie sich aus über die Situation vor Ort und ihre Hoffnungen an die deutsch-ukrainische Initiative.

Was sind aus Ihrer Sicht heute die wichtigsten Herausforderungen in den ukrainischen Kohlestädten des Donbass?

Liudmila Biletska: In unserer Stadt Novohorodivka sind die Kohleunternehmen wirtschaftlich nicht mehr stabil. Gleichzeitig fehlen alternative Arbeitsplätze in anderen Wirtschaftszweigen und die Menschen verlieren den Glauben an eine Perspektive. Deshalb verlassen gerade viele junge Leute die Stadt.

Vladimir Oros: Offen gesagt fehlt in unseren Städten die Transparenz politischer Entscheidungen vor Ort, hier muss noch viel passieren. Und es fehlen qualifizierte Fachleute an allen Ecken. Kohle ist nach wie vor ein zentraler Energieträger im Land, Erneuerbare gewinnen an Bedeutung, aber nicht schnell genug.

Welche Möglichkeiten sehen Sie bereits heute?

Vladimir Oros: Unsere Kohlestädte haben viel energetisches Potenzial: Grubenwasser kann zum Heizen genutzt werden, auch für Gewächshäuser in der Landwirtschaft. Wir können Abwärme und Biogas für die Wärmegewinnung nutzen. Auch der Wind weht in unserer Gegend stark genug, um profitabel Strom zu gewinnen.

Liudmila Biletska: Heute verbrennen die meisten Einwohner*innen und Unternehmen in unserer Stadt Kohle, um zu heizen. Im letzten Jahr 20.000 Tonnen. Biomasse wäre eine sehr gute Alternative – eine spezialisierte Fabrik könnte Heizbriketts aus Pflanzen und landwirtschaftlichen Abfällen herstellen. Dadurch würden auch Freiflächen begrünt. Wir haben auch bereits das Potenzial von Photovoltaik-Anlagen auf privaten Wohngebäuden analysiert. Allerdings könnten wir schneller und mehr Energie und CO2 einsparen, wenn die Gebäude zuerst energetisch saniert würden. Deshalb ist Wärmedämmung eine Priorität für uns. Hier gibt es gute Kofinanzierung durch den von internationalen Gebern geförderten Fonds für Energieeffizienz.

Der Strukturwandel in Deutschland war und ist ein schwieriger Prozess für die lokale Bevölkerung, ihre Identität und Lebensperspektiven. Welche konkreten Projekte in Deutschland oder anderen europäischen Ländern fanden Sie interessant

Liudmila Biletska: Der Energiepark in Saerbeck befindet sich auf einem ehemaligen Kasernengelände. Die Energie wird aus Wind, Sonne und Biomasse gewonnen und versorgt 19.000 Haushalte. Uns hat hier besonders beeindruckt, dass die Menschen aus der Gemeinde sich persönlich für die Projekte engagieren und sie im Wesentlichen finanzieren! Für Brachflächen in unserer Stadt wäre so etwas eine gute Lösung, eine Beteiligung der lokalen Bevölkerung wäre ein großartiger Schritt.

Vladimir Oros: Mich hat besonders ein Projekt in Dortmund begeistert, wo die Stadt ein ehemaliges Stahlwerk in ein edles Wohngebiet mit See verwandelt hat. Ich glaube, die Menschen in unseren Städten wären viel leichter zu überzeugen, wenn bei uns vor Ort solche inspirierenden Projekte umgesetzt würden.

 



Germanwatch setzt das Projekt „Eine Multiakteurspartnerschaft für den Strukturwandel im Donbass“ mit seinen Partnern Ecoaction und Alternatyva um. Es wird gefördert von Engagement Global aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Denis Shylenko über das Projekt

Denis Shylenko 2020

„Germanwatch hat mit seinen Partnern im Donbass etwas bisher unvorstellbares geschafft: Bürgermeister*innen von Kohlestädten, Stadträte und NGOs engagieren sich gemeinsam in einer Plattform für den Strukturwandel. ‚Kohlestädte für die Zeit nach der Kohle!‘ - bisher völlig unvorstellbar. Dieses große Potenzial hat auch die ukrainische Regierung erkannt und drei Bürgermeister der Plattform in die nationale Kohlekommission berufen. Germanwatch machte als Experte und Mediator diesen Erfolg überhaupt erst möglich. Aber jetzt müssen wir uns als Zivilgesellschaft weiter festigen und etablieren. Wir arbeiten in Workshops mit Germanwatch und deutschen NGO gemeinsam daran, unsere Stimme der Zivilgesellschaft noch besser und hörbarer zu machen, für die Menschen vor Ort.“

Denis Shylenko
engagiert sich bei der NGO „Move“ in Novohorodivka / Pokrovsk

Vladimir Oros über das Projekt

Vladimir Oros 2020

"Wir, als NGOs im Donbass, haben es oft sehr schwer bei der Kommunalverwaltung Gehör zu finden, von Ministerien ganz zu schweigen. Dabei sind wir nah an den Menschen und ihren Problemen. Durch das Germanwatch-Projekt bekommen wir eine ganz neue Rolle: Jetzt sind wir Partner der Bürgermeister*innen für den Strukturwandel! Außerdem treten wir dank Germanwatch in einen direkten Dialog mit deutschen NGO-Kolleg*innen aus Kohleregionen. Das ist eine großartige Inspiration für die Arbeit in unseren Kohlestädten."

Vladimir Oros
Engagiert sich bei der NGO "Dobro" in der Stadt Dobropillia in der Stadtteilarbeit

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