Alles im grünen Bereich in der IT-Industrie?

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Alles im grünen Bereich in der IT-Industrie?

Green IT muss mehr tun, als Strom zu sparen

Seitdem bekannt ist, dass die IT-Industrie ebenso viel CO2-Ausstoß verantwortet wie der Flugverkehr, ist »Green IT« ein großes Schlagwort in der Branche. Der Klimaschutz stellt für den schnell wachsenden Sektor eine Herausforderung dar. In Zeiten hoher Strompreise lässt sich durch umweltfreundliches Verhalten zudem viel Geld sparen: "Erfahrungsgemäß lassen sich durch eine erste Energieanalyse und das Ergreifen einfacher Sparmaßnahmen im Schnitt rund 20 Prozent Energie einsparen", sagt der Bereichsleiter IT-Infrastruktur beim Branchenverband BITKOM, Ralph Hintemann. Um so erstaunlicher, dass laut einer aktuellen Studie der Experton Group neun von zehn IT-Verantwortlichen den Energiebedarf ihrer Systeme nicht genau benennen können.

Die Reduktion des CO2-Ausstoßes reicht aber nicht aus, um die IT-Branche umweltfreundlich zu machen. Einen Schritt weiter gehen Ansätze, die neben dem Stromsparen auch weniger Ressourcen nutzen, z.B. "Thin Clients". Ein Thin Client ist so etwas wie ein Rumpfcomputer am Arbeitsplatz, der nur Basisfunktionen ausführt. Die Datenverarbeitung erfolgt auf einem zentralen Server. Ein Thin Client verbraucht 20 Prozent weniger Strom und kann viel länger genutzt werden, da die Aufrüstung nur im Serverbereich erfolgt.

Umweltfreundlichkeit fängt jedoch nicht erst im Büro an, sondern sie sollte sich auf die gesamte Wertschöpfungskette erstrecken. Diese beginnt bereits bei der Rohstoffförderung: Bislang führt der Abbau von Zinn in Indonesien oder Kobalt in Sambia zu massiven Umweltverschmutzungen. Moderne IT-Geräte enthalten bis zu 60 verschiedene chemische Elemente. Auch die Weiterverarbeitung und die Fertigstellung der Produkte sollten auf umweltfreundliche Weise erfolgen. Vieles ist dabei eine Frage von Design und Produktentwicklung: die Nutzung von möglichst wenigen Ressourcen, die Herstellung giftstofffreier Geräte sowie die Entwicklung von Produkten, die länger nutzbar sind und aufgerüstet werden können. Zudem sollten die Geräte leicht zu recyceln sein und aus einem hohen Anteil recycelter Rohstoffe bestehen - und die Firmen sollten sich für höhere Rückgabequoten einsetzen.

Bis alle diese Anforderungen an ein "wirklich grünes" Produkt erfüllt sind, bedarf es noch einiger Anstrengungen, wie Greenpeace in seinem jüngsten Produktranking feststellt: "Die Unternehmen erreichen bislang nur bruchstückhafte Verbesserungen. Dabei könnte bereits jetzt ein viel grüneres Produkt auf dem Markt sein, wenn alle umweltfreundlichen Entwicklungen, die von den Marktführern aktuell entwickelt werden, kombiniert würden." Manche Ansätze aber sind eher in die Kategorie "Greenwash" einzuordnen. So kündigte Motorola Anfang des Jahres das "erste klimaneutrale Handy" an. Dies ist irreführend, denn die Emissionen werden nur ausgeglichen statt vermieden - nicht umsonst ist das Wort "klimaneutral" 2008 auf dem zweiten Platz beim "Unwort des Jahres" gelandet. Zwar ist die Plastikhülle des Motorola-Handys tatsächlich aus recycelten Materialien hergestellt. Es wird aber weder etwas über die genutzten Metalle im Inneren des Handys gesagt, noch werden die beim Abbau entstandenen Emissionen ausgeglichen. Außerdem gibt es keine Informationen über den Energiebedarf für die Herstellung des Handys sowie über die Effizienz des Akkus. Nicht alle Ansätze der IT-Branche, umweltfreundliche Produkte herzustellen, sind also gleichsam vielversprechend.

Cornelia Heydenreich

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