Saúl Luciano Lliuyas Kampf für Klimagerechtigkeit

Weitblick Artikel

Saúl Luciano Lliuyas Kampf für Klimagerechtigkeit

Weitblick-Bild 1/16: Portrait Saul Luciano Lliuya

 
Beim Klimagipfel in Bonn wird auch über den Umgang mit klimabedingten Verlusten und Schäden diskutiert. Denn für die Präsidentschaft aus dem kleinen Inselstaat Fidschi steht dieses Thema ganz oben auf der Agenda. Doch die Verhandlungen zu internationalen Antworten auf die wachsende Zahl an Schäden und Verlusten gehen nur langsam voran. Vielen vom Klimawandel betroffenen Menschen drohen aber schon jetzt immense Gefahren, welche ein sofortiges Handeln erfordern.

Auch Saúl Luciano Lliuya kann nicht länger warten. Ihm und rund 50.000 weiteren Menschen in seiner Heimatstadt in den peruanischen Hochanden droht eine verheerende Flutkatastrophe. Der Gletschersee Palcacocha oberhalb seiner Heimatstadt Huaraz ist durch die klimawandelbedingte Gletscherschmelze auf ein gefährliches Volumen angewachsen und droht, jederzeit auszubrechen, wenn Gletscherteile abbrechen und hineinrutschen.

Doch der peruanische Bergführer und Andenbauer Saúl Luciano Lliuya nimmt sein Schicksal in die Hand. Er möchte den Menschen in Huaraz helfen und das Risiko einer zerstörerischen Gletscherflut abwenden. Gemeinsam mit seiner Anwältin Dr. Roda Verheyen und der Unterstützung von Germanwatch und der Stiftung Zukunftsfähigkeit kämpft Saúl Luciano Lliuya für globale Klimagerechtigkeit. Er möchte, dass der größte CO2-Emittent in Europa, der Energiekonzern RWE, Verantwortung übernimmt. Ende 2015 reichte Saúl Luciano Lliuya daher vor dem Landgericht in Essen Klage gegen den deutschen Energieriesen RWE ein. Er fordert, dass RWE etwa ein halbes Prozent der notwendigen Schutzmaßnahmen am Palcacocha- Gletschersee oberhalb von Huaraz bezahlen soll, denn RWE ist für ca. ein halbes Prozent aller durch menschliches Handeln freigesetzten CO2-Emissionen seit Beginn der Industrialisierung verantwortlich. Gleichzeitig appelliert Saúl Luciano Lliuya an die lokalen Behörden, jetzt die Schutzmaßnahmen einzuleiten. Gemeinsam mit anderen Menschen aus Huaraz hat er eine Nichtregierungsorganisation gegründet, die mit konkreten Projekten die Anpassungsfähigkeit vor Ort verbessern soll.

Saúl Luciano Lliuyas Zivilklage ist die erste ihrer Art vor europäischen Gerichten. Sie hat zum Ziel, große Verursacher wie RWE in die Verantwortung zu nehmen und zu weniger schädlichen Geschäftsmodellen zu bewegen. Germanwatch und die Stiftung Zukunftsfähigkeit unterstützen Saúl Luciano Lliuya, nicht nur um dazu beizutragen, dass neue juristische Möglichkeiten für Betroffene entstehen. Es soll vor allem auch der Druck wachsen, nationale und internationale politische Lösungen für den Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten zu entwickeln.

Zwar wurde der Fall in erster Instanz vom Landgericht Essen abgewiesen, doch Saúl Luciano Lliuya ist, wenn nötig, bereit, durch alle Instanzen zu gehen, und legte im Januar 2017 beim Oberlandesgericht Hamm Berufung ein. Zunächst einmal ist zentral, dass es gelingt, dass die Beweisaufnahme formal eröffnet wird. Dies hätte bereits einen immensen Präzedenzcharakter.

Zeitgleich mit dem Klimagipfel in Bonn geht am 13. November für Saúl Luciano Lliuya der Kampf nun also in die zweite Runde, vor dem Oberlandesgericht in Hamm. Er alleine kann die Gerichts- und Anwaltskosten nicht tragen. Die Stiftung Zukunftsfähigkeit fördert sein dem Gemeinwohl dienendes Anliegen und ruft dazu auf, die Klage mit Spenden zu unterstützen. Diese werden auch für notwendige wissenschaftliche Gutachten und die persönliche Teilnahme an den Gerichtsverhandlungen genutzt.
 

Julia Grimm
 

 

Für die Anwalts- und Gerichtskosten des Klägers in diesem Musterverfahren ruft die Stiftung Zukunftsfähigkeit zu Spenden auf:
GLS Gemeinschaftsbank eG IBAN: DE 77 4306 0967 0014 0396 00 • BIC: GENODEM1GLS
Online: www.betterplace.org/de/projects/35937

 

2. November 2017
zuletzt geändert: 2. November 2017