Zukunftsfähige Digitalisierung

Slider: Zukunftsfähige Digitalisierung

Für das digitale Wirtschaften fehlen politische Rahmensetzungen. Germanwatch geht Chancen und Risiken im Sinne des Gemeinwohls an.

Digitalisierung überall

Die Digitalisierung bestimmt bereits heute in allen privaten und öffentlichen Bereichen einen wichtigen Teil unseres Alltags. Der Zugang zum Internet wurde 2011 von den Vereinten Nationen als Grundrecht eingestuft. Das Phänomen Big Data durchdringt immer mehr Aspekte des gesellschaftlichen Lebens. Nicht mit den neuesten Entwicklungen in der Telekommunikations- und Informationsbranche Schritt zu halten, scheint nur unter sehr hohen volkswirtschaftlichen Kosten denkbar. Die Digitalisierung ist ohne Zweifel ein Megathema. [ >> zu allen Publikationen und Meldungen zum Thema >> ]

Risiken und Gemeinwohl

Wer behält in Anbetracht der rasanten Entwicklungen eigentlich die Risiken im Blick? Germanwatch engagiert sich seit über 25 Jahren für globale soziale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen. In der Digitalisierung sehen wir Chancen und Risiken. Als zivilgesellschaftliches Frühwarnsystem schauen wir auf die Herausforderungen.

Hierbei hilft uns unsere gute Vernetzung in Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Germanwatch ist engagiertes Mitglied in zahlreichen Netzwerken und Vereinen wie beispielsweise der Verbraucherzentrale Bundesverband, dem CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung, dem Climate Action Network International, SDSN Germany oder der Renewables Grid Initiative. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir die Digitalisierung zukunftsfähig gestalten.

An den folgenden Themen arbeitet Germanwatch bereits:


Energiewende voranbringen & Privatsphäre sichern

Die Digitalisierung kann die Energiewende voranbringen. Sie kann eine Schlüsselfunktion bei Lösungen für die Herausforderungen der Dezentralisierung, Flexibilisierung und effizienten Nutzung von Energie einnehmen und einen fortschreitenden Ausbau erneuerbarer Energien – auch in den Sektoren Wärme und Mobilität – ermöglichen.

Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende im Juni 2016 wurde der Einbau eines „Smart Meters“, eines intelligenten Messgeräts zur Stromnutzung, in manchen deutschen Haushalten verpflichtend. Damit sind immer mehr BürgerInnen erstmals konkret mit der Digitalisierung der Energiewende konfrontiert. Viele Menschen wollen, dass ihre Energiedaten nicht in die falschen Hände geraten.

Wie können wir die Potentiale der Digitalisierung für die Energiewende nutzen und zugleich die Souveränität und Freiheit des Einzelnen in der digitalen Welt schützen? Wie können wir sicherstellen, dass nicht nur Wohlhabende von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren?


Bäuerliche Landwirtschaft erhalten

Im Bereich Landwirtschaft befasst sich Germanwatch mit besseren Direktvermarktungschancen durch Internetnutzung, effizienteren Warenwirtschaftssysteme und der verbesserten Kontrolle der Lebensmittelkette. Wie können diese Chancen genutzt werden?

Andererseits bedeutet die Digitalisierung der Landwirtschaft auch, dass Sämaschinen, Düngerstreuer,  Mähdrescher und vielleicht auch Melkmaschinen digitalisierte Informationen über die Ertragspotentiale jedes Feldes und jeder Rinderzuchtlinie an große Hersteller senden. Bislang exklusives Bauernwissen gelangt ins Netz und könnte zur handelbaren Ware werden. Zusammen mit dem voranschreitenden Landgrabbing und dem Anleger-Run auf Agrarland kann dieser Aspekt der Digitalisierung rasch an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen. Wie sähe hier eine angemessene Regulierung aus? Wie kann verhindert werden, dass das ein weiterer Antrieb wird, die Existenz von Kleinbauern zu untergraben?


Automatisierung in den Dienst der Menschen stellen

Digitalisierung und Automatisierung können die Wirtschaft ökonomisch und ökologisch effizienter machen. Zugleich werden Menschen wahrscheinlich weniger stupide Arbeiten verrichten müssen, Vereinzelung und Lohndruck könnten nachlassen, eine neue Wissensgesellschaft erblühen. Diesen Entwicklungen steht Germanwatch offen gegenüber.

Auf der anderen Seite müssen wir die Risiken adressieren: Bei Anwendung eines an der Universität Oxford entworfenen Schätzmodells auf die deutsche Arbeitswelt liegt der Anteil der Menschen, dem technologisch bedingte Arbeitslosigkeit innerhalb der nächsten 10-20 Jahre droht, bei 59 Prozent. Im globalen Süden hätte diese Entwicklung laut einer Weltbankstudie sogar das technische Potenzial, zwei Drittel der Arbeitsplätze zu ersetzen. Wie können Visionen für eine Welt aussehen, in der Maschinen vieles von dem tun, was bislang Menschen taten?


Rohstoffverbrauch reduzieren & Menschenrechte beim Rohstoffabbau einhalten

Mit der Digitalisierung verbinden viele die Erwartung, die Wirtschaft zu dematerialisieren und durch eine intelligente Steuerung von Materialinputs die Produktion ressourceneffizienter zu gestalten. Zudem könnte die Digitalisierung dazu beitragen, globale Wertschöpfungsketten transparenter zu gestalten.

Andererseits führt die Digitalisierung auch zu einem höheren Ressourcenkonsum unter anderem durch einen verstärkten Einsatz von (oft kurzlebiger) Elektronik und Sensorik. So erwartet z.B. die Deutsche Rohstoffagentur, dass 2035 der Bedarf von Lithium alleine für die Elektromobilität das 3,5-fache der heutigen Produktion beträgt. Zudem müssen immer aufwändigere Verfahren angewandt werden, um an die metallischen Rohstoffe zu gelangen.

Dieser Rohstoffabbau geht häufig mit Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen einher. Wie kann sichergestellt werden, dass die Digitalisierung tatsächlich den Ressourcenverbrauch senkt und die Menschenrechte beim Rohstoffabbau eingehalten werden?


Neue Partizipations- und Bildungsmöglichkeiten schaffen

Digitalisierung kann neue Zugänge und Formate für Beteiligung hervorbringen, die es den Menschen möglich und einfacher machen, ihre Themen auf die politische Agenda zu setzen. Digitale Bildungs-, Partizipations- und Austauschformate können engagierte Menschen in ihren Lebenswirklichkeiten abholen und sie dabei unterstützen, zu Mitgestalter*innen ihres persönlichen Umfeldes und der sozial-ökologischen Transformation der Gesellschaft zu werden. Sie können helfen, die Stimme von Betroffenen in wichtigen Debatten und Diskursen zu stärken. Darüber hinaus bieten sie die Möglichkeit, weltweit vernetzte Begegnungs- und Lernmöglichkeiten sowie Erfahrungsräume zu schaffen und die Transparenz bei politischen Entscheidungsprozessen zu vergrößern.

Gleichzeitig kann Digitalisierung diese Prozesse bedrohen und unterminieren. Die Möglichkeiten, Chancen, aber auch Gefahren und Grenzen des digitalen Wandels in der Gesellschaft sind auszuloten. Dabei haben gerade Bildungsakteure einen verantwortlichen Blick auf gesundheitliche, soziale und ökologische Auswirkungen des Umgangs mit sozialen Medien, Technologien und digitalen Erfahrungsräumen zu werfen. Digitalen Risiken für die Privatsphäre, Souveränität und Freiheit des Individuums sowie für eine deliberative und starke Demokratie ist zu begegnen.


Für das digitale Wirtschaften fehlen bislang demokratisch erwirkte Rahmensetzungen. Die Wirkungen von neuen Technologien können positiv oder negativ sein. Germanwatch geht die Herausforderungen jenseits von Techno-Fatalismus und Techno-Utopismus konstruktiv an.

 

Aktuelles zum Thema 'Nachhaltige Digitalisierung'

Alle dynamischen NT nicht archiviert
Meldung
12.03.2020
Circular Economy Action Plan

Der gestern vorgestellte Aktionsplan der Europäischen Kommission zur Kreislaufwirtschaft enthält wichtige Elemente, um den Rohstoffverbrauch in zentralen Sektoren zu reduzieren und um Ressourcenverschwendung entgegenzutreten. Ein wichtiger Hebel dafür ist die Verwirklichung des “Recht auf Reparatur” in Europa. Germanwatch und der Runde Tisch Reparatur fordern gemeinsam mit den Partnern der Right to Repair Europe-Koalition: Die Versprechen müssen jetzt mit konkreten Initiativen umgesetzt werden.

Meldung
19.02.2020
Tatort Smartphone
Jetzt Petition #Longlivemyphone unterzeichnen!

Fehlende Ersatzteile, hohe Preise, nicht zugängliche Bauteile: Kaputte Smartphones werden häufig ersetzt und nicht repariert – trotz ihrer massiven ökologischen und sozialen Auswirkungen. Die EU muss diese Entwicklung stoppen und die Bedingungen für Smartphone-Reparaturen verbessern, indem sie Smartphones in ihren Ökodesign-Arbeitsplan aufnimmt und diese Verpflichtung im Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft verankert. Gemeinsam mit Partnern aus Deutschland und ganz Europa hat der Runde Tisch Reparatur die Petition #Longlivemyphone ins Leben gerufen. Als Gründungsmitglied des RTR macht sich auch Germanwatch für die Aktion stark.

Meldung
11.02.2020
Keine Gesichtserkennung zur Massenüberwachung

Obwohl seit Jahren die Kriminalitätsrate und die Zahl der Todesopfer durch Terroranschläge sinkt, fordern Politiker*innen den Ausbau von Massenüberwachung. Hierdurch soll einem „Gefühl“ der Unsicherheit begegnet werden. Aktuell im Trend: Videoüberwachung mit Gesichtserkennung. Getestet wurden die Systeme bereits am Berliner Bahnhof Südkreuz. Germanwatch fordert gemeinsam in einem Bündnis mit zehn digitalpolitischen Organsationen ein Verbot automatischer Gesichtserkennung in der Öffentlichkeit durch die Polizei oder andere staatliche Akteure sowie ein wirksames Vorgehen gegen Terroranschläge durch soziale Präventions- und Aussteigerprogramme statt ungezielter Massenüberwachung.

Meldung
24.01.2020
Germanwatch Logo
Dauer 3 Monate, im Zeitraum März 2020 bis Dezember 2021

Germanwatch ist eine Entwicklungs- und Umweltorganisation, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzt. Das Team Deutsche und Europäische Klimapolitik bietet einen Praktikumsplatz im Berliner Büro an und sucht hierfür motivierte Bewerber*innen.

Blogpost
20.01.2020
Bits & Bäume - Konferenz 2018

Künstliche Intelligenz ist das Schlagwort aktueller Debatten.
Die Energiewirtschaft gilt als eine der Vorreiterinnen bei der Anwendung. Konkrete Einsatzmöglichkeiten gibt es in Erzeugung, Vertrieb, Endnutzung und bei den Netzen. Doch ein Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), der blind gegenüber den Risiken ist, ist abzulehnen. 

Meldung
10.01.2020
Digitalisierung & Ethik

„Immer ist alles im Fluss“ – dieser altgriechische Aphorismus gilt heute mehr denn je: die Welt ändert sich mit rasender Geschwindigkeit. Einen entscheidenden Anteil daran hat die Digitalisierung. Sie hat unsere Kommunikation grundlegend verändert, definiert Arbeit neu und wird noch viele Bereiche unseres Lebens umwälzen.

Meldung
06.01.2020
netzwerk n

Germanwatch hat am 29. November 2019 die Konferenz n mit einem Video-Beitrag eröffnet und mit einem Workshop zum Thema Künstliche Intelligenz tatkräftig unterstützt. Einmal im Jahr organisiert das Netzwerk n diese Konferenz als Angebot für Hochschulangehörige. Gemeinsam entwickeln die Teilnehmenden Ideen für Nachhaltigkeit.

Blogpost
18.12.2019
Workshop zu Künstlicher Intelligenz
Zum Zusammenhang von Künstlicher Intelligenz (KI), Nachhaltigkeit und Bildung

Die Konferenz n – Bildung, Bits & Bäume

Am 29. November 2019 waren wir als Referent*innen bei der Konferenz n eingeladen. Einmal im Jahr organisiert das Netzwerk n diese Konferenz als Angebot für Hochschulangehörige zur Vernetzung, zum gegenseitigen Inspirieren und zum gemeinsamen Entwickeln neuer Ideen zur Unterstützung der Nachhaltigkeitstransformation.

Publikation
04.11.2019
Cover Kriterienkatalog Zukunftsfähige Energiewirtschaft
Kriterienkatalog für eine gemeinwohlorientierte Bewertung von Geschäftsmodellen

Klimaschutz und Digitalisierung stellen die Energiewirtschaft vor neue Herausforderungen und setzen sie unter Veränderungsdruck. Um dem zu begegnen und zu jedem Zeitpunkt eine vollständige Versorgungssicherheit zu gewährleisten, bedarf es innovativer Geschäftsmodelle, die für ausreichende Flexibilität im Energiesystem sorgen und es intelligenter machen. Dieser Kriterienkatalog soll etablierten Unternehmen und neuen Akteuren der Energiewirtschaft Orientierung bieten und die gemeinwohlorientierte Bewertung von neuen Geschäftsmodellen erleichtern.

Pressemitteilung
25.10.2019
Pressemitteilung
Vor Digital-Gipfel der Bundesregierung: Germanwatch-Studie zeigt Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Energiewende - Normen und Standards müssen sicherstellen, dass künstliche Intelligenz dem Gemeinwohl dient

Bessere Ausbeute von Windkraftanlagen, präzisere Markt- und Wetterprognosen, optimiertes Ausbalancieren von Stromangebot und -nachfrage - digitale Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) sind schon heute ein zentraler Treiber der Energiewende. Kurz vor dem am Montag beginnenden Digital-Gipfel des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt eine neue Studie von Germanwatch neben den großen Chancen aber auch erhebliche soziale, politische und ökologische Risiken, auf die die Politik bisher nicht reagiert hat. „Künstliche Intelligenz ist keine Naturgewalt. Ihr Einsatz ist ein sozialer Prozess, den wir gestalten können und müssen", sagt David Frank von Germanwatch, einer der Autoren der Studie.

Echter Name

Referent für Energiewendeforschung und Digitale Transformation
+49 (0)30 / 28 88 356-72

Echter Name

:: IN ELTERNZEIT :: Referentin für Ressourcenpolitik und IT-Branche
+49 (0)30 / 28 88 356-91

Videobeitrag zu Digitalisierung & Nachhaltigkeit

Publikationen zum Thema Digitalisierung

Bits & Bäume goes HNE Eberswalde – zum Zusammenhang von KI, Nachhaltigkeit, Bildung >>>

Zukunftsfähige Energiewirtschaft – Kriterienkatalog für eine gemeinwohlorientierte Bewertung von Geschäftsmodellen >>>

Künstliche Intelligenz (KI) für die Energiewende – Chancen & Risiken >>>

Digitale Energiewende: Klima retten, aber richtig >>>

Digitalisierung gestalten für Agrarbetriebe und Nachhaltigkeit >>>

Chancen und Risiken der Blockchain für die Energiewende >>>

Was Bits und Bäume verbindet. Digitalisierung nachhaltig gestalten >>>

Konzernmacht in der digitalen Welt. Überlegungen der Initiative „Konzernmacht beschränken“ zur Regulierung 4.0 mit Schwerpunkt auf Marktmacht und Kartellrecht >>>

Sechs Thesen zur Digitalisierung der Energiewende – Chancen, Risiken und Entwicklungen >>>

Digitalisierung der Energiewende – Die Rolle von Informations- und Kommunikationstechnologien bei der Transformation des Energiesystems. In: Grüner Investitionsschub für Europa (ab S. 22) >>>

Wenn Agrarschlepper online gehen. In: Konzernatlas 2017 (ab S. 14) >>>

Governance of Mineral Supply Chains of Electronic Devices >>>

Weitblick - Schwerpunkt Digitalisierung und Ressourcenverbrauch >>>

Smart und fair? Vier Handy-Modelle im Germanwatch-Blickpunkt >>>

Softwareobsoleszenz als Herausforderung für die Reparatur – Diskussionspapier des Runden Tisches Reparatur >>>