Die Überdüngung der Felder kann uns alle teuer zu stehen kommen

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Die Überdüngung der Felder kann uns alle teuer zu stehen kommen

Wir haben in Deutschland das große Glück, jederzeit Trinkwasser direkt aus dem Wasserhahn genießen zu können – ohne Bedenken und zu geringen Kosten. Dass sich an der hohen Qualität nichts ändert, stellen die Wasserwerke mit verschiedenen Aufbereitungsmaßnahmen sicher. Die Preisentwicklung hängt hingegen auch von Faktoren ab, auf die die Wasserwerke keinen Einfluss haben – insbesondere vom Zustand des Grundwassers. Hier beobachten wir eine bedenkliche Entwicklung: Obwohl seit 1991 die EU-Nitratrichtlinie eine Obergrenze von 50 Milligramm Nitrat pro Liter festschreibt, hat sich der Zustand der Gewässer nicht verbessert. Im Gegenteil: In einigen Regionen nimmt die Nitratbelastung sogar noch zu.

Die massive Überdüngung der Felder durch die großindustrielle Agrarwirtschaft schadet der Umwelt und könnte für die Verbraucher deutliche Kostenbelastungen nach sich ziehen:

Erstens: Es wird für die Wasserversorger in vielen Regionen Deutschlands immer aufwendiger und kostenintensiver, die gesetzlichen Vorgaben der Trinkwasserverordnung einzuhalten. Wenn die herkömmlichen Aufbereitungsverfahren – wie die Tieferlegung oder der Bau von Brunnen sowie das Vermischen von belastetem mit weniger belastetem Wasser – künftig nicht mehr reichen, könnte der Einsatz kostspieliger Denitrifikationsanlagen erforderlich werden. Ein BDEW-Gutachten zeigt, dass der Trinkwasserpreis in einigen Regionen dadurch um über 60 Prozent steigen könnte.

Zweitens: Die Klage der Europäischen Kommission gegen Deutschland wegen des anhaltenden Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie könnte zu hohen Strafzahlungen für Deutschland führen. Auch diese müssten letztlich die Steuerzahler finanzieren.

Drittens: Obendrauf kommen die ohnehin bestehenden Subventionen für die größtenteils indus eine deutliche Umschichtung der Agrarsubventionen der Europäischen Union in die ökologische Landwirtschaft.

Daher müssen zügig Maßnahmen für einen nachhaltigen Schutz des Grundwassers eingeleitet und die Düngepraxis geändert werden. Gewässerschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – auch die Landwirtschaft muss dazu beitragen. Zumal wir an den funktionierenden Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Wasserwerken sehen, dass Landwirtschaft und Gewässerschutz durchaus vereinbar sind: Die Wasserversorger und Landwirte treffen Vereinbarungen z.B. für einen gewässerschonenden Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Für Vorgaben, die über die gesetzlichen ordnungsgemäßen Regelungen hinausgehen, werden die Landwirte entschädigt. Zudem finanzieren die Wasserversorger in einigen Kooperationen sogar noch Fachberater, die Landwirte in Wasserschutzgebieten über umweltverträgliche Land- bewirtschaftungsmaßnahmen zum Schutz des Trinkwassers informieren und sie bei der Umsetzung unterstützen. So soll auf freiwilliger Basis eine Verbesserung des Zustands unserer Gewässer erreicht werden.

Allerdings sehen wir an den steigenden Nitratwerten in einigen Regionen Deutschlands auch, dass freiwillige Kooperationen alleine nicht ausreichen. Deshalb fordern wir die nächste Bundesregierung auf, die kürzlich verabschiedeten Düngevorgaben zügig nachzuschärfen und wirksame Überwachungs- und Kontrollmechanismen einzuführen. Wenn es um das deutsche Grundwasser geht, darf sich die Politik nicht auf faule Kompromisse und großzügige Ausnahmeregelungen einlassen. Die massive Überdüngung unserer Äcker muss endlich gestoppt werden.
 

Martin Weyand,
BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser

28. September 2017
zuletzt geändert: 28. September 2017