Über die Dürre in Kapstadt, Widerstandsfähigkeit und das Entwickeln menschlicher Kapazitäten

Weitblick Artikel

Über die Dürre in Kapstadt, Widerstandsfähigkeit und das Entwickeln menschlicher Kapazitäten

Weitblick 1/2018: Portrait Taylor und Graham

 
Das Austrocknen des Flusses Vaal und die Wasserkrise in Kapstadt stehen in Südafrika für eine neue Phase: Wo und wie Menschen leben, arbeiten oder Urlaub machen hat sich grundlegend geändert. Es gibt kostspielige Pläne, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen, sobald die Trinkwasserversorgungssysteme von Kapstadt leer sind. Andere hoffen, dass es doch noch regnet oder technische Lösungen wie Entsalzung das System retten. Unser Umgang mit Wasser wird nie wieder so sein wie früher – das eröffnet auch eine wunderbare, aber auch respekteinflößende Gelegenheit, unseren Umgang mit der knappen Ressource Wasser neu zu denken.

Die Herausforderung annehmen – zehn positive Dinge der Dürre

Das Leben in Kapstadt wird sich für immer verändern. Welche positiven Aspekte können wir dieser schlimmsten Dürreperiode seit Beginn der Wetteraufzeichnungen abgewinnen?

  1. Nie war die Verbindung zwischen Trinkwasservorkommen und dem menschlichen Wohlbefinden spürbarer. Wenn Ressourcen knapp werden, lernen Menschen mit Einschränkungen umzugehen und somit auch nachhaltiger zu leben.
  2. Die Auswirkungen des Klimawandels erhalten plötzlich öffentlich Aufmerksamkeit. Das Konzept des „neuen Normalen“ lässt sich nicht nur auf den Umgang mit Wasser reduzieren. Wir müssen lernen, mit mehr Bränden, Migration, Gesundheitsrisiken, wirtschaftlichen Instabilitäten und erhöhten Risiken zu leben. Dies verdeutlicht die Dringlichkeit einer ganzheitlichen Lösung.
  3. Die ganze Welt beobachtet die besorgniserregende Situation in Kapstadt. Sogar beim Weltwirtschaftsforum in Davos wurde von einer anderen Realität gesprochen. Der indische Premierminister Narendra Modi sagte dort vor EntscheidungsträgerInnen, dass der Klimawandel die größte Bedrohung für die Menschheit sei. Weitere Städte mit Wasserproblemen wie Los Angeles, São Paulo oder Singapur bangen, wen es als nächstes treffen wird. Die 17 SDGs (Sustainable Development Goals), die auch Südafrika 2015 unterzeichnet hat, rücken wieder mehr in den Fokus.
  4. Kommunen arbeiten kooperativer und innovativer zusammen. Lokale und religiöse Organisationen reagieren, es entstehen Initiativen, die Betroffene unterstützen. Aspekte der Nachhaltigkeit und kooperative Lösungen bekommen eine neue Bedeutung und Bildung für nachhaltige Entwicklung ist auf dem Vormarsch wie nie zuvor.
  5. Das Wissen rund um das Thema Wasser in der Gesellschaft erweitert sich enorm. Knappheit bedeutet, dass wir einen angemessenen, technisch vernünftigen Plan brauchen, um den Zugang zu Wasser für alle sicherzustellen. Indem wir das Problem ganzheitlichen angehen, verringern wir gleichzeitig die Schädigung von Gewässern und Feuchtgebieten.
  6. Die Planungs- und Reaktionsfähigkeit der Regierung wird einer genauen Überprüfung unterzogen. PolitikerInnen und BeamtInnen sind selbst Lernende. Bemerkenswert ist, dass BNE zunehmend als ein kooperativer Prozess der Meinungsbildung und der Verständnisvertiefung begriffen wird und weniger als Vermitteln von Informationen oder Fakten.
  7. Die ganz praktischen Antworten auf die Dürre, etwa den eigenen Wasserverbrauch zu reduzieren, ermöglichen den Menschen mehr Unabhängigkeit und werden in anderen Lebensbereichen wie Energie oder Ernährungssicherheit aufgegriffen. Dies befähigt die Bevölkerung dazu, ihre Bedürfnisse und Verantwortlichkeiten selbst in die Hand zu nehmen und lokale Problemlösungen wertzuschätzen.
  8. Die Dürre erinnert rechtzeitig daran, Wachstum unbedingt von Ressourcenausbeutung und Umweltzerstörung abzukoppeln. Dass die Bevölkerung ihren Wasserverbrauch in nur einem Jahr halbiert hat und weiterhin reduziert, zeigt, was möglich ist.
  9. Zirkuläres Denken hat auch den dringenden Bedarf an Abwasseraufbereitung in den Vordergrund gerückt. Die Vorteile sind bezeichnend: weniger Abwasser in den Meeren, weniger Verschmutzung von Flüssen, größere Wassersicherheit, strengere Kontrolle der gewerblichen und industriellen Abwässer, mehr Ausbildung und Arbeitsplätze für WassertechnikerInnen und ein besseres Verständnis für Grundwasserneubildung.
  10. Warteschlangen an natürlichen Quellen zeugen von der unausgesprochenen Wertschätzung der Ökosystemdienstleistungen von Feuchtgebieten, Flüssen, Ozean, Quellen und Grundwasservorkommen – und der Notwendigkeit, diese vor Verschmutzung und Übernutzung zu schützen.

Diese positiven Lerneffekte sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Dürre natürlich auch viele negative Auswirkungen hat, unter anderem den massiven Anstieg des Verkaufs von Wasser in Plastikflaschen, das sich zudem nicht alle leisten können.

Was wir brauchen sind Menschen, die sich um die Erde kümmern. Oder vielmehr was wir wirklich brauchen, sind Menschen, die einen nachhaltigeren Lebensstil vorleben und andere lehren, sich um die Erde zu kümmern!
 

Dr. Jim Taylor (oben links), WESSA, Direktor für Umweltbildung & Dr. Mark Graham (oben rechts), Direktor von GroundTruth


Dieser Artikel ist eine gekürzte Version eines Blogs von Dr. Jim Taylor und Dr. Mark Graham auf englisch. 

22. März 2018
zuletzt geändert: 22. März 2018