Blogpost | 05.06.2015

Uni Stanford: 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2050 für alle G7-Staaten möglich

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Blog-Beitrag von Jens Klawitter, Juni 2015

Um die gefährlichsten Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen, hat sich die internationale Gemeinschaft geeinigt, den globalen Temperaturanstieg auf höchstens zwei Grad gegenüber den Durchschnittstemperaturen vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Der Weltklimarat IPCC hat in seinem neuesten Bericht gezeigt, was dafür erforderlich ist: 2020 muss global der Scheitelpunkt der Emissionen erreicht sein. Nach diesem Zeitpunkt müssen die Emissionen aller Treibhausgase stark abfallen und bis 2050 um ca. 40 bis 70 Prozent reduziert werden. Die CO2-Emissionen, die vor allem bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen, müssen noch schneller sinken. Zur Mitte des Jahrhunderts muss daher die Nutzung von Kohle, Öl und Gas im Stromsektor beendet  sein.

Zur Erreichung des – zwar ambitionierten, doch machbaren - Zwei-Grad-Ziel ist es damit notwendig eine weltweite Energiewende weg von fossilen und hin zu erneuerbaren Energien einzuleiten. So müssen z.B. mindestens 80 Prozent der Kohlereserven, 50 Prozent der Gasreserven und zwei Drittel der Ölreserven im Boden verbleiben.

Für die erforderliche globale Energiewende tragen die Industrieländer eine besondere Verantwortung, da sie historisch gesehen die meisten Emissionen verursacht haben und sie auch über die technischen und finanziellen Mittel verfügen, eine solche Transformation zeitnah umzusetzen. Daher müssen die Industrieländer mit gutem Beispiel vorangehen und die sogenannte Dekarbonisierung des Energiesektor aktiv vorantreiben.

Doch ist eine Wende zu 100 Prozent Erneuerbaren in den G7-Staaten überhaupt möglich? Interessante Antworten auf diese Frage liefern vorab veröffentlichte Ergebnisse einer Studie eines Teams von Wissenschaftlern der Universität Stanford, die Germanwatch vorliegen. Die Gruppe um Prof. Mark Jacobson hat untersucht, inwiefern 100 Prozent der Energie für die Bereiche Elektrizität, Transport, Heizen/Kühlen und Industrie in den G7-Staaten bis 2050 aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden könnten. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass dieses Ziel unter der Nutzung der jeweiligen Potentiale für alle G7-Staaten erreichbar sei. Dies gelte nicht nur für Deutschland, das bereits heute gut 28 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien deckt, sondern auch für Länder wie die USA oder Japan.

Doch nicht nur die Machbarkeit einer 100 Prozent auf erneuerbaren Energien beruhenden Energieversorgung wird von der Studie untersucht, sondern auch die Arbeitsplatzeffekte der erneuerbaren Energien im operativen Bereich sowie im Baugewerbe. So könnten bspw. knapp 6 Millionen langfristige Arbeitsplätze in den genannten Bereichen in den USA entstehen und über eine Million Arbeitsplätze in Deutschland.

Bereits in einer früheren Studie hatte das Team Roadmaps zur Erreichung des 100-Prozent-Ziels für alle Bundesstaaten der USA berechnet, die gemeinsam mit dem Solutions Project veröffentlicht wurden. Unter Einbeziehungen des zukünftigen Energiebedarfs der USA im Jahr 2050 zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass ein Umstieg auf saubere Energien für die USA nicht nur durchschnittlich niedrigere Stromgestehungskosten für erneuerbare Energien im Vergleich zu konventionellen Energieträgern bedeuten würde, sondern auch noch zusätzliche Kosten gespart werden könnten, etwa im Gesundheitssektor durch Vermeidung von luftverschmutzungsbedingten Krankheiten. In diesem Szenario würde der US-amerikanische Energiemix zu ca. 45 Prozent auf Solarenergie (Photovoltaik und solarthermische Kraftwerke), zu ca. 31 Prozent auf Windkraft an Land und ca. 19 Prozent Windenergie auf dem Wasser (Offshore) beruhen. Geothermische, Wassser, Wellen- und Gezeitenenergie zusammen würden die restlichen ca. 5 Prozent der benötigten Energie bereitstellen. Insgesamt würden dafür nur ca. 0,46 Prozent der Landfläche der USA benötigt,

Somit legen die Ergebnisse dieser Studien nahe, dass ein Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien nicht nur technisch möglich, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist. Damit dies gelingt, muss die G7 jedoch den politischen Willen organisieren und deutliche Signale für die Energiewende senden. Die G7 sollte zwei globale Ziele unterstützen: Einerseits den globalen Ausstieg aus allen vom Menschen freigesetzten Treibhausgasen in diesem Jahrhundert und andererseits das globale Ende der menschengemachten CO2-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts. Vor allem aber müssen sie sich selbst ein Ziel setzen, dass deutlich macht, dass die G7-Staaten bei der Dekarbonisierung vorangehen, d.h. einen  Ausstieg aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas im Stromsektor bis spätestens 2050.

Um ihrer historischen und zukünftigen globalen Verantwortung nachzukommen, muss auch die Unterstützung für den Umstieg auf Erneuerbare Energien in Entwicklungsländern ausgebaut werden. Dazu müssen die G7 einen klaren Plan vorlegen, wie sie die versprochen 100 Milliarden internationaler Klimafinanzierung bis 2020 erreichen werden. Mit konkreten Initiativen, z.B. für mehr Investitionen in Erneuerbare Energien in Afrika, könnten die G7 das Ziel der globalen Dekarbonisierung zusätzlich untermauern.

Allerdings kann Angela Merkel eine klimapolitische Führungsrolle bei der G7 glaubwürdig nur dann einnehmen, wenn sie zugleich die notwendigen Maßnahmen umsetzt, damit das deutsche Klimaziel – 40 Prozent weniger Emissionen bis 2020 – nicht kippt. Das bedeutet insbesondere, die zugesagten Instrumente für weniger Kohlestrom durchzusetzen.







Quelle der Grafiken: The Solutions Project, www.thesolutionsproject.org


- Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Mercator. Für den Inhalt ist alleine Germanwatch verantwortlich. -


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