Blogpost | 02.06.2014

IPCC-Teilberichte 2 und 3: Schlussfolgerungen für die Klimafinanzierung?

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Blog-Beitrag von Sönke Kreft, Juni 2014

Zuletzt hat der IPCC zwei wichtige Berichte herausgegeben. Der Bericht der zweiten Arbeitsgruppe zu „Impacts, Adaptation und Vulnerability“ beleuchtet insbesondere die Folgen des Klimawandels, und der Bericht der dritten Arbeitsgruppe zum Thema „Mitigation of Climate Change“ bereitet den wissenschaftlichen Sachstand zu Emissionsminderung auf.  

Welche Aspekte aus den Berichten der Arbeitsgruppe 2 und 3 sind besonders relevant für die Debatten um öffentliche Klimafinanzierung?

Transformation heute nicht morgen: Der IPCC zeigt: Das Temperaturlimit von 2° ist erreichbar, aber geht mit der fundamentalen Notwendigkeit der Transformation, insbesondere der Energieinfrastruktur, einher. Dabei gilt weltweit: Weiteres Zögern verteuert die Rechnung.

Minderung höchster Bedarf in Entwicklungsländern: Weltweit kostengünstig umgesetzter Klimaschutz sieht den Löwenanteil an Klimaschutzmaßnahmen in Ländern mit zukünftig ansteigenden Emissionen vor. Dies sind vor allem Entwicklungsländer. Gleichzeitig ist sowohl die größte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, als auch Verantwortung für den Klimawandel in Industrieländern verortet. In diesem Kontext kann Klimafinanzierung, z.B. das Versprechen 100 Milliarden UD-Dollar für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern zu mobilisieren, als Maßnahme gesehen werden Klimaschutz verursacherorientiert zu finanzieren und gleichzeitig weltweit günstiger zu machen.

Private Finanzierung – ansteigend aber nicht ausreichend: In den letzten 3 Jahren wurden jeweils 343 bis 385 Mrd. USD für Niedrigemissionstechnologien mobilisiert. Eine Abschätzung von Investoren gehen davon aus, dass bis 2030 jährlich mindestens eine Billion US-Dollar in eine klimafreundliche Wirtschaft umgeleitet werden müssen. Öffentliche Finanzierung ist dabei maßgeblich, insbesondere in den ärmsten Entwicklungsländern.

100 Milliarden jährlich bis 2020 – notwendiger Anstieg für Klimafinanzierung in Entwicklungsländern: Um Investitionen in Klimaschutz und -anpassung in Entwicklungsländern zu ermöglichen, muss die Unterstützung stetig steigen. Der IPCC schätzt die Erfüllung des Versprechens der Industrieländer, 100 Milliarden US-Dollar jährlich zu mobilisieren als herausfordernd, aber machbar ein.

Klimawandelfolgen – ansteigende Kosten gerade in Entwicklungsländern: Die Auswirkungen des Klimawandels auf Mensch und Umwelt lassen sich schon heute in allen Weltregionen nachweisen. Nahrungsmittelproduktion, Nahrungsmittelpreise und arme Bevölkerungsgruppen sind schon heute betroffen. Der IPCC stellt zukünftige Klimawandelauswirkungen durch Hitzewellen, Extremereignisse und Änderungen von Niederschlag dar. Ohne notwendigen Klimaschutz ist dabei teils mit katastrophalen Auswirkungen auf die weltweite Nahrungsproduktion, Wasserversorgung, Küstenregionen oder empfindliche Ökosysteme wie Korallenriffe zu rechnen.

Anpassungsfinanzierung – um ein Vielfaches zu gering: Der IPCC zeigt deutlich, dass Abschätzungen zum Unterstützungsbedarf für Anpassung und die tatsächlich zur Verfügung stehende Finanzmittel gerade in Entwicklungsländern um mehrere Größenordnungen auseinanderklaffen. Obwohl eine ökonomische Abschätzung der notwendigen Finanzmittel für Anpassung schwierig ist, und wahrscheinlich eher unterschätzt wird, spricht der IPCC von bis zu 100 Milliarden US-Dollar an jährlichem Finanzbedarf bis 2050 alleine in Entwicklungsländern.


- Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Für den Inhalt ist alleine Germanwatch verantwortlich.
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Dieser Beitrag ist auch auf http://www.deutscheklimafinanzierung.de/ erschienen.


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