Pressemitteilung | 30.05.2003

Baumwolle in Burkina Faso, Rindfleisch in der Mongolei - Entwicklungshemmende US-und EU-Agrarpolitik wird WTO-Streitfall.

 

Pressemitteilung

Berlin, 30.5.2003 Francois Traoré, Präsident des Verbandes der Baumwollproduzenten von Burkina Faso, und die Ethnologin, Autorin und Mongolei-Expertin Amélie Schenk schilderten heute auf Einladung von Germanwatch und Evangelischem Entwicklungsdienst die negativen Auswirkungen der Agrarpolitik der Industrieländer auf Kleinbauern, insbesondere die der EU.

"Mit Hilfe ihrer Agrarsubventionen drängt die EU auf die Märkte von Drittländern und hält gleichzeitig ihren eigenen Markt geschlossen in Bereichen, wo Entwicklungsländer qualitativ hochwertige Produkte anzubieten haben", erklärt Rainer Engels (Germanwatch), Leiter der Kampagne "Unterbieten Verbieten!". Hochsubventionierte Agrarprodukte werden zu Schleuderpreisen auf den Weltmarkt gebracht. Mit diesen Dumpingpreisen bootet die EU Agrarproduzenten aus Entwicklungsländern aus, dies gilt für deren einheimische und ausländische Absatzmärkte.

Francois Traoré erläuterte: "Eine Rekordernte drückte im vergangenen Jahr den Preis für Baumwolle auf 697 Euro je Tonne, dem niedrigsten Niveau seit 30 Jahren (im Dezember 2000 lag der Preis bei 1.525 Euro/Tonne). Jedoch sind die Baumwollbauern in den USA und den EU-Anbauländern von diesem Preisverfall nicht betroffen, denn sie erhalten Milliarden an Subventionen, die es ihnen unabhängig von der Weltmarktsituation erlauben, die Produktion fortzusetzen oder auszubauen." Die USA subventionieren ihren Baumwollsektor jährlich mit knapp 4 Milliarden US-$, die EU mit 700 Millionen US-$.

Ein anderes Beispiel entwicklungspolitisch höchst schädlichen Verhaltens schilderte Amélie Schenk: "Die Mongolei, eines der ärmsten Länder der Welt, das fast ausschließlich auf die Produktion von Weide-Fleisch angewiesen ist, produziert auf der Basis von Nomadenkulturen, hat unter dem Verlust der Absatzmärkte in Russland stark zu leiden. Mongolisches Fleisch wurde dort verdrängt von EU-Lieferungen. Das qualitativ hochwertige Fleisch der Yak-Rinder hätte auch in Europa beste Absatzmöglichkeiten. Ein Marktzugang wird der Mongolei aber verwehrt!"

Germanwatch fordert deswegen die EU auf, sich bei den Agrarverhandlungen der WTO für eine völlige Abschaffung der Exportsubventionen innerhalb von 3 Jahren einzusetzen und den zugesagten Marktzugang für die am wenigsten entwickelten Länder ohne technische Handelshemmnisse zu verwirklichen. Außerdem verlangt Germanwatch von der EU, ihre gesamten Subventionen im Baumwollbereich abzuschaffen.

Brasilien und vier Sahelstaaten beschwerten sich im Frühjahr 2003 offiziell bei der WTO über die reichen, Baumwolle subventionierenden Staaten. Voraussichtlich Anfang Juni entscheidet sich, ob daraus ein WTO-Streitschlichtungsverfahren wird. "Der 'Baumwollfall' schreibt Weltgeschichte: Er ist die Nagelprobe des Welthandelssystems, ob WTO-Streitschlichtungsverfahren auch zugunsten von mehr Gerechtigkeit für die Ärmsten wirken kann," so Rudi Buntzel-Cano, Evangelischer Entwicklungsdienst.

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