Pressemitteilung | 03.06.2008

Hunger bekämpfen mit mehr Investitionen in eine nachhaltige, bäuerliche Landwirtschaft.

Pressemitteilung

Berlin/Hamm, 03.06.2008

Auf der heute beginnenden Konferenz der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO zu Ernährungssicherheit und Klimawandel müssen konkrete Beschlüsse gefasst werden, um die jahrelange Benachteiligung der nachhaltigen, bäuerlichen Landwirtschaft in Süd und Nord zu beenden. Das fordern die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Nord-Süd-Initiative Germanwatch und Oxfam Deutschland. "Die Konferenz der FAO muss die Agrar- und Handelspolitiken, die zur Nahrungsmittelkrise beigetragen haben, auf den Prüfstand stellen und die notwendige Kehrtwende einleiten. Es ist höchste Zeit, in eine nachhaltige Landwirtschaft zu investieren und der einheimischen Lebensmittelproduktion höchste Priorität einzuräumen", so Marita Wiggerthale, Agrarreferentin von Oxfam Deutschland.

Ebenso wichtig wie zusätzliches Geld, ist die Gestaltung der Programme, für die es ausgegeben wird. Nach Ansicht von AbL, Germanwatch und Oxfam müssen dabei die Erkenntnisse des Welt-Agrarrats IAASTD berücksichtigt werden, der die Probleme der industrialisierten Landwirtschaft deutlich aufgezeigt hat. Den Bauern nur mehr Dünger, Pestizide und Hochertragssorten zur Verfügung zu stellen, wie die FAO und Weltbank es vorzuhaben scheinen, wird nicht zu einer nachhaltigen Produktionssteigerung führen. "Gerade angesichts des Klimawandels müssen Produktionssysteme weiter entwickelt werden, die an lokale Bedingungen angepasst und weniger anfällig gegenüber Witterungsschwankungen sind", mahnt Tilman Santarius, Vorstandsmitglied von Germanwatch.

In diesem Zusammenhang begrüßen die Organisationen den Vorschlag der EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel, Mittel aus dem europäischen Agrarhaushalt für die Entwicklungshilfe im Agrarsektor zur Verfügung zu stellen. Wegen der gestiegenen Preise werden hunderte Millionen Euro nicht für Lagerhaltung in der EU und Exportsubventionen verwendet. Damit die Mittel auch längerfristig zur Verfügung stehen, sind alle Exportsubventionen umgehend und dauerhaft abzuschaffen. Die so frei werdenden Gelder, im Budget für 2008 sind über eine Milliarde Euro vorgesehen, müssen dauerhaft den Kleinbauern in Entwicklungsländern zu Gute kommen.

"Dass dieses Geld nun Bauern zu Gute kommen soll, die jahrzehntelang unter den künstlich verbilligten EU-Exporten gelitten haben, ist aus Gerechtigkeits- und Effizienzgesichtspunkten richtig", so Santarius. "Die unfaire Konkurrenz hat dazu beigetragen, dass die bäuerliche Landwirtschaft in Entwicklungsländern vernachlässigt wurde. Damit hat sie die derzeitige Nahrungsmittelkrise mit verursacht."

"Der Weltagrarbericht macht nur zu deutlich, wie wichtig eine bäuerliche und regional orientierte Landwirtschaft ist, um der Hungerproblematik wirksam zu begegnen. Deshalb muss auch die EU-Agrarpolitik daraufhin neu ausgerichtet werden. Derzeit wirken die Direktzahlungen wettbewerbsverzerrend gegenüber bäuerlichen Betrieben hier in Deutschland und durch den Export auch weltweit. Um diese Wettbewerbsverzerrungen abzubauen, sind die Zahlungen deutlich zu staffeln, wobei die geleistete bäuerliche Arbeit berücksichtigt werden muss", sagt Berit Thomsen, Welthandelsreferentin bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.
 

Für Rückfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:

  • Tobias Reichert, Germanwatch, 0178-2125803
  • Berit Thomsen, AbL, 02381-9053172
  • Marita Wiggerthale, Oxfam, 0162-1386321