Pressemitteilung | 15.10.2009

Fair produzierte Handys?

Pressemitteilung

Bonn/Berlin, 15.10.09: Eine neue Studie des europäischen Projektes makeITfair, die heute in Deutschland veröffentlicht wird, hat gezeigt, dass die Mobilfunkanbieter ihre Lieferkette noch fairer gestalten müssen. Die vergleichende Studie "Faire Handys im Angebot?" verdeutlicht, dass sich viele Anbieter zwar mittlerweile dazu verpflichten, auf faire Arbeitsbedingungen in der Geräteproduktion ihrer Zulieferer zu achten, aber die Umsetzung der Verpflichtungen noch zu wenig nachverfolgen.

"Die Mobilfunkanbieter stehen in der Verantwortung für die Handylieferkette, denn viele Verbraucher beziehen ihr Handy über ihren Mobilfunkanbieter", so Cornelia Heydenreich, makeITfair-Koordinatorin bei Germanwatch. In der Gesamtstudie haben lediglich T-Mobile und Vodafone Niederlande Angaben dazu gemacht, in welchem Umfang sie bei ihren Lieferanten überprüft haben, ob Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden. "Um die Handyproduktion fairer zu gestalten, müssen aber alle Mobilfunkbetreiber die Einhaltung ihrer Standards selbst prüfen und ebenfalls durch unabhängige externe Gutachter überprüfen lassen. Außerdem müssen zum Beispiel Arbeitnehmervertreter vor Ort in die Überprüfung und die Verbesserungsmaßnahmen einbezogen werden", so Heydenreich weiter.

Die untersuchten 15 Mobilfunkanbieter haben bis auf ein Unternehmen keine konkreten Zahlen genannt, wie viele Handys sie im vergangenen Jahr ausgegeben haben. Dadurch konnte einerseits der Einfluss auf die Lieferkette nicht bewertet werden und andererseits war es schwer, konkrete und vergleichbare Rückgabequoten von Althandys zu ermitteln. "Bislang ist die Rückgabequote von Handys viel zu gering. Das liegt vor allem daran, dass ein Großteil der Verbraucher die Recyclingmöglichkeit noch gar nicht kennt. In den Marketingabteilungen ist die Verantwortung für Nachhaltigkeit und Reduzierung von Elektronikschrott noch nicht angekommen", stellt Heydenreich fest. Das zeigt sich auch an der weiterhin starken Werbung für neue Handys, die über einen Vertrag subventioniert werden. Mit einer dadurch nach wie vor hohen Nachfrage nach neuen Handys und einer vergleichsweise niedrigen Recyclingquote bliebe der Bedarf nach neuen Rohstoffen und Metallen zu hoch, um langfristig gedeckt werden zu können.

"Wir fordern die Mobilfunkanbieter auf, gemeinsam für eine stärkere Recyclingstrategie einzutreten. Nur bei einer gemeinsamen Anstrengung kann dem Verbraucher deutlich gemacht werden, dass es in unser aller Interesse ist, mit unseren Rohstoffen verantwortlicher umzugehen und Handys nicht jedes oder alle zwei Jahre zu wechseln und sie auf jeden Fall nach Gebrauch zurückzugeben", erklärt Heydenreich weiter.

Für Rückfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:

  • Cornelia Heydenreich, makeITfair-Koordinatorin, Germanwatch, 030/2888 3564, heydenreich@germanwatch.org

makeITfair macht darauf aufmerksam, wie die Arbeitsbedingungen in der Produktionskette von Unterhaltungselektronik (Handys, MP3-Player, Spielekonsolen und Laptops) aussehen, inwieweit dabei Menschenrechte verletzt werden und wie stark die Umwelt durch die Produktion beeinträchtigt wird. Die Kampagne wird durch die EU finanziell unterstützt und durch acht europäische Organisationen getragen: SOMO, Germanwatch, VERBRAUCHER INITIATIVE, FinnWatch/Finnish Association for Nature Conservation, Karat, SwedWatch, Church of Sweden and Fair Trade Center.