Blogpost | 30.09.2019

Social Impact Assessments und Agrosolar: Ansätze zum De-Risking von sozialen und Umweltrisiken für ausländische Investitionen in den indischen Solarbereich

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Ein Gastbeitrag von Srinivas Krishnaswamy des indischen Thinktanks Vasudha Foundation

Aus ökologischer und sozialer Sicht entstehen die Hauptrisiken für Investitionen in die indische Solarenergie und insbesondere in große Solarparks (Freiflächenanlagen mit Netzanschluss, Parks in Gigawatt- oder Megawatt-Größe) mit Bezug auf knappe Landflächen.  Dies ist unter dem Aspekt zu sehen, dass der Flächenbedarf für Solarparks mit einer Faustformel von 2 Hektar pro Megawatt recht groß ist.  Außerdem ist im Idealfall für große Solarparks der Bedarf an Übertragungsinfrastruktur am Standort des Parks unerlässlich, um die Investitionen gering zu halten.  Diese beiden Aspekte und die Tatsache, dass Indien ein Land mit hoher Bevölkerungsdichte und großen Wald- und Grasflächen ist, machen die Verfügbarkeit von Land für große Solarparks zu einer Herausforderung. 

Darüber hinaus ist Indien eine weitgehend agrarische Wirtschaft, an der ein großer Teil der Bevölkerung beteiligt ist – viele sind für ihren Lebensunterhalt von der Landwirtschaft abhängig.  Die Befragung India Economic von 2018 geht davon aus, dass der Agrarsektor fast 52 Prozent der gesamten Arbeitskräfte in Indien beschäftigt und etwa 17-18 Prozent zum BIP des Landes beiträgt.  Vor diesem Hintergrund wirkt sich die Umwandlung von Agrarland in Solarparks auf die Existenzgrundlage von Landwirt*innen aus, die für ihren Lebensunterhalt von der Landwirtschaft oder der Viehzucht abhängig sind.

Die wesentlichen sozialen und Umweltrisiken für Investitionen sind daher auch mit dem Landerwerb verbunden, insbesondere bei großen Solarparks am Boden:

Das größte Risiko ist die Gefährdung der Lebensgrundlagen von Landwirt*innen (finanzielle Auswirkungen oder Umwelteinflüsse), inklusive Rechtsstreitigkeiten. Dieses Risiko verschärft sich noch, da der Landbesitz in Indien in kleinen Parzellen pro Eigentümer*in stark zersplittert ist. Daher kann der Erwerb großer Landflächen für einen Bauträger eine mühsame Angelegenheit sein. Es sei denn, es gibt eine zentralisierte Regierungsbehörde wie z.B. ein Industrial Promotion Board, die beim Landerwerb helfen kann.  Ein weiteres nennenswertes Risiko ist, dass eine langfristige Verfügbarkeit von Grundstücken im Falle von Pachtflächen kaum gewährleistet ist, da die Pachtverträge oft kürzer sind.  Problematisch ist, dass derzeit kein gutes Rehabilitationsprogramm existiert, um die Minderung der oben genannten Risiken sicherzustellen. Als Folge kann es zu Rechtsstreitigkeiten oder Protesten kommen, die die Inbetriebnahme der jeweiligen Projekte verzögern. Das könnte für den Projektträger wiederum bedeuten, dass er länger als ursprünglich geplant auf die Stromerzeugung und die Erzielung von Einnahmen aus dem Projekt warten muss.

In Anbetracht dieser Risiken, besteht aufseiten von Investoren die Befürchtung, dass es bei potenziellen Projekten zu langen Verzögerungen kommen kann. Damit verbunden ist die Angst vor gestrandeten Vermögenswerten (engl. stranded assets) – also einem starken oder totalen Werteverlust. Auch der Schutz der betroffenen Bevölkerung  und das Vermeiden von Umwelteinflüssen sind für immer mehr (ausländische) Investoren wichtige Kriterien für ihre Investitionsentscheidungen im indischen Solarbereich.

Mögliche Lösungen für entsprechende De-Risking-Strategien könnten potenziell folgende sein:

  1. Durchführung einer detaillierten Landnutzungs- und Brachlandkartierung in Indien, um potenzielle Gebiete für Solaranlagen zu identifizieren: Dies würde die Ermittlung von potenziell degradiertem Land beinhalten, das sich nicht für die Landwirtschaft eignet. Darüber hinaus könnten gefährdete Wälder und Feuchtgebiete identifiziert werden. Aktuell erstellt ein Thinktank- und NGO-Projekt ein „Standortwerkzeug“, um potenzielle Landflächen für Wind- und Solarparks zu identifizieren. Regulierungen, die auf derartigen Landnutzungsanalysen basieren, müssen ausgeweitet und zentral anerkannt werden.
  2. Auf der Grundlage dieser Landnutzungskartierung sollten Richtlinien für den Landerwerb für Solarprojekte entwickelt werden.
  3. Einführung von „Social Impact Assessment“ für Erneuerbare-Energien-Projekte ab einer bestimmten Kapazitätsgrenze:  Mithilfe dieser Folgenabschätzungen könnte auch die Planung der Lebensgrundlagen und der Kompetenzentwicklung der im vorgeschlagenen Projektgebiet lebenden Gemeinden untersucht werden. Social Impact Assessments sollten nur unter Beteiligung der Gemeinden durchgeführt werden. 
  4. Ermittlung von Gebieten, in denen bestehende konventionelle Kraftwerke mit derzeit ineffizienter Stromerzeugung auf Solarkraftwerke umgestellt werden können:  Diese wären vor allem deshalb ideal, weil es bereits eine Netz- und Wasserinfrastruktur für eine einfache Erzeugung gibt.
  5. Wenn der Erwerb von landwirtschaftlichen Flächen für die Solaranlage unumgänglich ist, sollten neue Geschäftsmodelle erprobt werden, bei denen die Landbesitzer*innen Anteile des Solarunternehmens erwerben können.

Für den Ausbau von Solarenergie in ländlichen Gebieten könnte neben dem Aktienerwerb durch die Landbesitzer*innen auch eine Doppelnutzung von Landflächen Erfolg versprechen. Das Prinzip „Agrosolar“, nach dem Pflanzen unter den Solaranlagen angebaut werden, könnte sich potenziell für den Blumen- und Gemüseanbau lohnen.   


Gefördert durch

Stiftung Mercator

     

AutorInnen

Verfasser: Srinivas Krishnaswamy (Vasudha Foundation)
Übersetzung: Rixa Schwarz und Franziska Marten

AutorInnen

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Teamleiterin Internationale Klimapolitik
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