Blogpost | 11.03.2020

Auf den gemeinsamen Rhythmus kommt es an

Weltklimarat berät über die Synchronisierung der IPCC-Berichterstattung mit dem UNFCCC-Prozess
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Vom 24. bis 28. Februar fand im UNESCO-Gebäude in Paris die 52. Plenarsitzung des Weltklimarats IPCC mit zwei Arbeitsschwerpunkten statt.

Zum einen wurde die Gliederung des kommenden Sechsten IPCC Sachstandsberichts verabschiedet. Dazu hatte es im Oktober 2019 auf Expertenebene ein Vortreffen in Singapur gegeben mit dem Vorschlag, diesen Synthesebericht in vier Kapitel aufzuteilen: 

 

i. Einführung 
ii. aktuelle Emissionssituation und absehbare Trends 
iii. langfristige Entwicklungen des Klimas 
iv. kurz- und mittelfristigen Handlungsmöglichkeiten – sowohl hinsichtlich Emissionsminderung als auch Anpassung

Germanwatch bei der 52. IPCC-Plenarsitzung
Bereits zum 20. Mal war Germanwatch als Beobachter bei einer IPCC-Plenarsitzung dabei

Am Freitag, dem letzten Tag der Sitzungswoche, gelang es um 19:30 Uhr, also 90 Minuten nach dem anvisierten Ende, die Gliederung zu verabschieden.

Das zweite Schwerpunktthema – und an sich das substanziell relevantere – war die Frage, inwiefern der IPCC seine Arbeitsweise an den Fünfjahresrhythmus des Global Stocktake des Paris Abkommens anpassen sollte. Der Global Stocktake wird erstmalig im Jahr 2023 und danach 2028, 2033, etc. stattfinden. Die Veröffentlichung des Sechsten Sachstandsberichts ist für 2022 geplant und passt damit bereits zum Rhythmus des Global Stocktakes. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung spielt eine zentrale Rolle für die Relevanz des IPCC: Nur wenn die Botschaften neuer IPCC-Berichte das Sekretariat der UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC rechtzeitig erreichen, bevor dort bei den Verhandlungen wichtige Entscheidungen getroffen werden, kann der IPCC seine volle Wirkung auf den multilateralen Klimaprozess entfalten. Deshalb ging es in der Plenarsitzung nun darum, auch die Verfahren um die Sachstandsberichte nach dem Sechsten Bericht an den Global Stocktake anzupassen.

Bereits während der 43. Plenarsitzung des IPCC im April 2016 war zu diesem Thema eine Task Group (TG-FWLGST) gegründet worden. Während IPCC 52 in Paris, also vier Jahre später, präsentierte sie die Ergebnisse ihrer Arbeit. Sie hatte zwei Alternativen und sieben Optionen identifiziert, wie der IPCC seine Arbeitsweise ändern könnte. Allerdings besaß die Task Group kein Mandat, einen Vorschlag für eine favorisierte Lösung einzureichen.

Paris UNESCO-Kantine
Blick von der UNESCO-Kantine auf das verregnete Paris

So überraschte nicht, dass in den Interventionen der Delegierten verschiedene Präferenzen zum Ausdruck kamen, die nicht vereinbar waren. Delegationen aus EU-Mitgliedsstaaten oder von kleinen Inselstaaten sprachen sich für einen Gleichlauf von IPCC und Global Stocktake aus. Andere, darunter Russland oder Saudi-Arabien, sahen das anders. So erzielte die Plenarsitzung in Paris als Ergebnis zu diesem Tagesordnungspunkt nur die formale Entscheidung, dass die TG-FWLGST ihr Mandat erfüllt und durchführbare Optionen erarbeitet hat.

Schließlich wurde in Paris noch ein vorbereitetes Dokument zum Thema Gender-Politik angenommen. Das beschreibt, auf welche Weise der IPCC stärker auf Geschlechtergerechtigkeit eingehen und in seiner Arbeit die Rolle von Frauen stärken kann. Dabei wurde auch ein Gender Action Team (GAT) eingerichtet.

Die 53. IPCC-Sitzung findet im Oktober 2020 - wahrscheinlich bei UNEP in Nairobi - statt. Auf der Agenda steht dann u.a. die Überprüfung der Arbeitsweisen des IPCC, wozu das Sekretariat erste im Februar in Paris geäußerte Meinungen der Staaten zusammenfasst.


Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und von Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst. Für den Inhalt ist alleine Germanwatch verantwortlich.

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