Pressemitteilung | 13.10.2018

Antibiotikaresistente Erreger auf Fleisch nur mit strengeren Vorschriften zu bremsen

Vor dem World Health Summit: Der Export von Fleisch mit antibiotikaresistenten Erregern aus Deutschland trägt zur Verbreitung von Gesundheitsrisiken bei / Bundesregierung muss Antibiotikaverbräuche im Stall reduzieren und Reserveantibiotika verbieten
Pressemitteilung

Berlin (13. Okt. 2018). Vor dem Start der Weltgesundheitskonferenz (World Health Summit) morgen in Berlin weist die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch auf eklatante Widersprüche in der Politik der Bundesregierung bei Antibiotikaresistenzen hin. "Auf der einen Seite setzt sich die Bundesregierung für dringend nötige globale Initiativen gegen Antibiotikaresistenzen ein", sagt Reinhild Benning, Agrarexpertin bei Germanwatch. "Auf der anderen Seite aber tragen in Deutschland ein hoher Antibiotikaverbrauch und zugleich sehr schwache Regeln bei Antibiotika im Stall sowie die Fixierung auf Agrarexporte dazu bei, dass sich Antibiotikaresistenzen verbreiten; mit kontaminierten Fleischexporten sogar weltweit. Laut staatlichen Untersuchungen ist jede zweite Hähnchenfleischprobe in Deutschland mit antibiotikaresistenten Erregern kontaminiert und ein hoher Schweinefleischverzehr zählt zu den Risikofaktoren für Menschen, sich multiresistente Erreger (ESBL) einzufangen", so Benning. Der Export von belastetem Fleisch berge besonders große Risiken für Menschen in Ländern mit schlechterer Gesundheitsversorgung.

Deutschland habe im EU-Vergleich sehr schwache Antibiotika-Regeln und liege im Spitzenbereich bei den Verbrauchsmengen in der Massentierhaltung. So kommen laut EU-Behörden in Deutschland im Schnitt 98 Milligramm Antibiotika auf ein Kilo Fleisch, in Schweden seien es nur 12, in den Niederlanden 64 Milligramm. Benning: „Masthühner und –puten in Deutschland erhalten sogar häufiger Antibiotika, obwohl seit 2015 Millionen von Tieren nach Standards der „Initiative Tierwohl“ gehalten werden."

Besonders kritisch sieht Germanwatch, dass noch immer vier Reserveantibiotika im Stall eingesetzt werden dürfen - und bei zweien die Mengen gegenüber 2011 auch steigen. "Reserveantibiotika sind in der Humanmedizin oft lebenserhaltend, wenn andere Antibiotika wegen Resistenzen nicht mehr wirken", erklärt Benning. "Sie gehören nicht in industrielle Tierhaltungen, weil dies das Risiko erhöht, dass sich auch gegen diese Reservemittel Resistenzen entwickeln. So steigen aktuell die Colistin-Resistenzen bei Masthühnern im Vergleich zu den Resistenzraten der Jahre 2011 bis 2014 an.“

Germanwatch fordert von der Bundesregierung, die staatliche Antibiotika-Datenbank maßgeblich zu verbessern und Erfassung und Kontrollen auf EU-Standards anzuheben, um Tierhaltungen mit dauerhaft hohem Verbrauch von Antibiotika zu finden und dort Reduzierungen zu veranlassen. Benning: "Viele andere Länder haben Reserveantibiotika längst erfolgreich reglementiert. Wir brauchen hierzulande ein klares Verbot von Reserveantibiotika in Tierfabriken."

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