Pressemitteilung | 31.01.2018

EU-Expertenkommission empfiehlt nachhaltiges Finanzwesen – neue Bundesregierung muss handeln

Fachleute stellen geeignete Maßnahmen vor, um Hebelwirkung der Finanzmärkte für besseren Klimaschutz zu nutzen - Empfehlungen sollten auch in Koalitionsverhandlungen eingehen
Bild: Germanwatch Pressemitteilung

Berlin (31. Jan. 2018). In einer ersten Stellungnahme begrüßt Germanwatch gemeinsam mit anderen Organisationen die heute veröffentlichten Empfehlungen einer hochrangigen EU- Expertenkommission zum nachhaltigen Finanzwesen. Diese seien ein wichtiger Schritt zur längst überfälligen systematischen Integration von Nachhaltigkeitsaspekten im Finanzwesen, heißt es - auch wenn an einigen Stellen noch nachgebessert werden müsse. Die Empfehlungen müssten nun sowohl in die Koalitionsverhandlungen in Deutschland als auch in den „Sustainable Finance Action Plan“ der EU-Kommission Eingang finden.

Zum einen geht es darum, dass der Finanzmarkt seine Hebelwirkung für mehr Klimaschutz entfalten kann. Außerdem soll der Tragödie des kurzfristigen Horizonts des Finanzmarktes in Bezug auf den Klimawandel ein Ende gesetzt werden. Beide Dimensionen werden in dem Bericht adressiert. Konkret sollen zum Beispiel Nachhaltigkeitsrisiken in der Finanzmarktregulierung analysiert und zusätzliche finanzielle Mittel zur Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele mobilisiert werden.

„Das Finanzsystem ist ein wichtiger Hebel, um die Klima- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Jetzt ist die Bundesregierung gefragt. Sie muss die Politik des Wegschauens aufgeben und gemeinsam mit Frankreich die Umsetzung der Empfehlungen auf nationaler und europäischer Ebene vorantreiben - denn sonst werden wichtige Chancen vertan", sagt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. "Mit einem ´Weiter-so´ scheitern die  Klima- und Nachhaltigkeitsziele. Werden die  Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken weiter nicht beachtet, destabilisiert dies zudem das Finanzsystem."

Allerdings bestehe bei einigen Empfehlungen noch Nachbesserungsbedarf, so Germanwatch. Bals: „Klimarisiken müssten verpflichtend und nicht - wie empfohlen - zunächst nur freiwillig offengelegt werden. Gemeinsam mit Frankreich sollte Deutschland im Rahmen des jüngst von den Parlamenten geforderten neuen Elyséevertrags sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene entsprechende Maßnahmen vorantreiben." Zentral dabei sei, dass Unternehmen nicht nur über ihre aktuellen Emissionen berichten müssen, sondern auch darüber, wie sie aufgestellt sind, um die mittelfristigen Klimaziele umzusetzen und einen steigenden CO2-Preis zu verkraften.

Die Stellungnahme (unter: www.germanwatch.org/de/14972) geht auf einzelne Aspekte und Empfehlungen detaillierter ein. Die Expertengruppe fordert, Europa zu einem der ambitioniertesten Finanzstandort in punkto Nachhaltigkeit zu machen.

Hintergrund:
Die hochrangige EU-Expertenkommission zum nachhaltigen Finanzwesen, kurz HLEG (High Level Expert Commission on Sustainable Finance), wurde im Jahr 2016 von der EU-Kommission einberufen. Sie besteht aus Expertinnen und Experten aus Finanzwesen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die Gruppe sollte für die EU-Kommission Empfehlungen zur systematischen Verankerung von Nachhaltigkeitsaspekten im Finanzwesen der Europäischen Union erarbeiten.

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