Konkreter Friedensdienst REVERSE 2017: Drei junge Klimaaktivist*innen aus Indien, Tansania und Senegal zu Gast bei Germanwatch in Bonn

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Konkreter Friedensdienst REVERSE 2017: Drei junge Klimaaktivist*innen aus Indien, Tansania und Senegal zu Gast bei Germanwatch in Bonn

Blog-Beitrag von Sophia Sipple und Sonja Zerche, Juni 2017

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Auch in diesem Jahr freut sich das Germanwatch-Team im Bonner Büro über die Bereicherung durch drei internationale Gäste, die im Rahmen des Reverse-Programms für zwei Monate nach Deutschland gekommen sind. Das Projekt "Konkreter Friedensdienst Reverse South – North" kurz KF-Reverse-Programm ging aus einer Initiative von Engagement Global im Jahr 2012 hervor und wird seitdem zum dritten Mal von Germanwatch mitorganisiert. Der Leitgedanke "Stärkung zivilgesellschaftlicher Akteure in Ländern des Südens durch Austausch und Kooperation" steht dabei im Mittelpunkt.


Die Vernetzung von zivilgesellschaftlichen Akteuren weltweit ist gerade in einer Zeit der immer kleiner werdenden Räume für Zivilgesellschaft von großer Bedeutung. Das Reverse Programm 2017, bei dem die Nachhaltigkeitsziele der UN und der Klimawandel im Fokus stehen, trägt zu diesem wichtigen Zusammenschluss bei. Dieses Jahr sind 7 junge Mitarbeiter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen aus dem Globalen Süden bei Partnerorganisationen in Nordrhein-Westfalen zu Gast und können so die Themen, Strategien, Strukturen und die Alltagsrealität deutscher Nichtregierungsorganisationen (NGOs) kennenlernen.

Die gastgebenden Organisationen lernen neue Perspektiven von zivilgesellschaftlichen Akteuren des Globalen Südens kennen und können in Zusammenarbeit mit den jungen Klimaaktivist*innen aus dem Süden wichtige Erkenntnisse in ihre Arbeit integrieren.

Da Globale (Klima-)Gerechtigkeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung zentrale Themen in der Arbeit von Germanwatch darstellen, war der Austausch mit den drei Klimaaktivist*innen sehr bereichernd und hat einen wichtigen Beitrag zur gegenseitigen Stärkung der Zivilgesellschaften im Norden und Süden geleistet. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Reverse-Programms ist der Süd-Süd-Austausch. Bei gemeinsamen Seminaren können die Teilnehmer*innen sich gegenseitig austauschen, voneinander lernen und gemeinsam Projekte entwickeln.

Über die Reverse-Teilnehmer*innen bei Germanwatch
Seynabou Sy Ndiaye ist eine der drei Teilnehmer*innen bei Germanwatch und arbeitet bei der Organisation ENDA Energie im Senegal. Sie ist dort vor allem mit Fokus auf zivilgesellschaftliche Organisationen und deren Stärkung zur Nutzung des Klimafonds der UN, Green Climate Fund (GCF), tätig. Ihr aktuelles Projekt zielt darauf ab, die Kapazitäten zivilgesellschaftlicher Organisationen auszubauen und Aktivitäten des GCFs in die senegalesische Gesellschaft einzubetten um die Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung voranzubringen. Bei Germanwatch arbeitet sie im Team Internationale Klimapolitik gemeinsam mit ENDA Energie an diesem Projekt. Sie beschäftigt sich mit Evaluation und Monitoring des Projekts, um die zivilgesellschaftlichen Organisationen auf das GCF Projekt vorzubereiten. Seynabou engagiert sich schon seit acht Jahren in der Zivilgesellschaft für eine nachhaltige Entwicklung, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Partizipation und Gender. Sie ist Doktorandin der Soziologie und forscht über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der Bevölkerung und die Frage, wie die Politik damit umgehen kann. Sie ist Teil von vielen Bürger*innenbewegungen, die sich für Bürger*innenrechte, Frauenrechte und Umweltschutz einsetzen. Unter anderem ist sie Mitglied von RICAPEC und Lead Senegal. Seynabou ist es wichtig, sich energisch für ein offenes und vereintes Afrika mit einer frei-denkenden und handelnden Jugend einzusetzen.

Kelvine Shirima ist auch im Germanwatch Büro in Bonn zu Gast und arbeitet für das Climate Action Network in Tansania (CANTZ), eine NGO, die sich zum Ziel gesetzt hat, Zivilgesellschaft und lokale Communities im Bereich Klimawandel und Klimaanpassung zu stärken. Die Organisation verbessert den Zugang zu Informationen für die lokale Bevölkerung und implementiert Projekte, die sich mit Anpassung und Linderung des Klimawandels befassen. Kelvine hat sein Studium in Geographie und Umweltwissenschaften mit einem Master abgeschlossen und sich intensiv mit dem Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Rohstoffen beschäftigt. Er hat lange Zeit als Freiwilliger bei der Organisation Tanzania Environmental Friendly Association gearbeitet und war auch bis vor kurzem bei CAN Tanzania vollständig ehrenamtlich tätig. Bei Germanwatch arbeitet Kelvine im Team Bildung für nachhaltige Entwicklung und organisiert und implementiert in Zusammenarbeit mit Germanwatch das Programm Empowerment for Climate Leadership, das junge Erwachsene aus Tansania und Deutschland dazu bestärkt und befähigt, als Klimaaktivist*innen tätig zu sein und sich für eine nachhaltige zukunftsfähige Welt einzusetzen. Das Programm wird in Kooperation zwischen Germanwatch und CAN Tanzania implementiert und bietet den Teilnehmenden eine Plattform für zivilgesellschaftlichen Austausch, die sie in ihrem Klimaaktivismus bestärkt.

Die dritte Teilnehmerin im Reverse Programm, Viveka Jani, arbeitet im Center for Environment Education (CEE) in Indien im Klimawandel Team. Sie ist in verschiedenen Projekten mit dem Thema Klimawandel und Bildung für nachhaltige Entwicklung aktiv. Die meisten Projekte sind interaktiv gestaltet und das Thema Klimawandel wird Kindern und Jugendlichen auf partizipative Weise nahe gebracht.

Derzeit arbeitet Viveka an einer Publikation für das Umweltministerium zum Thema Linderungs- und Anpassungsstrategien an den Klimawandel in Indien. Die Conference of the Youth (COY), die kurz vor den UN-Klimaverhandlungen COP stattfindet und eine Möglichkeit für junge Menschen bietet, sich zum Klimawandel zu äußern, hat Viveka in Indien für die südasiatische Region mit initiiert und organisiert. Viveka hat Umweltwissenschaften, Umweltrecht und Ressourcenmanagement studiert. Bei der Organisation Heritage Trust of Baroda (India) hat sie ehrenamtlich im Bereich Wasserschutz und Denkmalpflege Workshops gegeben und in Dorfschulen zum Thema Klimawandel und den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft referiert. Im Germanwatch-Team Bildung für nachhaltige Entwicklung war Viveka während der Klimaverhandlungen für das Team bei den Verhandlungen. Sie hielt einen Workshop auf der Promotor*innen Konferenz in Dessau zum Thema „Climate Education and SDG Implementation: Views from the South“ und war aktiv in der Gestaltung des gemeinsamen Süd-Süd-Projekts der Teilnehmer*innen.

Neben der Arbeit bei ihren Gastorganisationen in Deutschland sieht das Programm viele gemeinsame Seminare und Veranstaltungen vor, bei denen der Süd-Nord- und Süd-Süd-Austausch gefördert und die Teilnehmer*innen einen Einblick in deutsche Gesellschaftsstrukturen und verschiedene deutsche und europäische Institutionen bekommen.

Dieses Jahr waren die Teilnehmer*innen auf der SB, den Vorverhandlungen der COP23, die in Bonn stattfanden und konnten als Beobachter*innen einen Einblick in die UN-Klimaverhandlungen bekommen und sich mit den anderen internationalen Teilnehmer*innen vernetzen. Das Einführungsseminar in Bonn, bei dem sich die Teilnehmer*innen das erste Mal kennenlernen konnten, waren unter anderem ein Besuch bei der Tafel e.V. und die Teilnahme am Panel: Global what? - Rethinking educational concepts (von VENRO organisiert). Highlights für die Teilnehmer*innen. Vor allem der Besuch bei der Tafel e.V. hat die Teilnehmer*innen sehr beeindruckt und ihnen einen breiteren Blick auf die deutsche Gesellschaft gegeben. Auch gab es dieses Jahr wieder ein Seminar in Brüssel, bei dem die Teilnehmer*innen mehr zu den EU-Institutionen erfahren und sich mit zivilgesellschaftlichen Akteuren vernetzen konnten. Das Evaluationsseminar in Berlin, bei dem unter anderem Silke Helfrich von der Commons Bewegung zu Gast war und die Teilnehmer*innen einen Einblick in deutsche Geschichte bekamen, war eine schöne Abrundung des Programms.


Bilder von oben nach unten:

  • Seminar bei der Landesvertretung NRW in Brüssel (Landesvertretung NRW)
  • Austausch in Bonn zu den Sustainable Development Goals: (v.l.) Seynabou Sy Ndiaye, Kelvine Shirima Sophia Sipple, Sean van Rooyen (Germanwatch)
  • SB in Bonn, auf dem Weg zur COP23 in Bonn: (v.l.) Viveka Jani, Marine Pouquet, Sophia Sipple, Kelvine Shirima, Zeynabou Sy Ndiaye (Germanwatch)
  • Einführungsseminar in Bonn: (v.l.) Viveka Jani, Sonja Zerche, Lucas Ochoa, Tana Makgoka, Hatwib Matovu (Germanwatch)
  • Gruppenbild: (v.l.u.v) Sean Van Rooyen, Viveka Jani, Lucas Ochoa, Sonja Zerche, Hatwib Matovu, Tana Makgoka, Sophia Sipple, Seynabou Sy Ndiaye, Kelvine Shirima, Stefan Rostock

Autorinnen: Sophia Sipple und Sonja Zerche, Team Bildung für nachhaltige Entwicklung

Publikationsdatum
6/2017
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