Pressemitteilung | 29.06.2016

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie muss konfliktorientierter und europäischer werden

„Entwicklungsland“ Deutschland muss nach der Energie- auch die Verkehrs- und Agrarwende angehen - Internationale Partnerschaften dafür wichtig
Logos Germanwatch und Stiftung Zukunftsfähigkeit

Berlin/Bonn (29. Juni 2016). Die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch sowie die Stiftung Zukunftsfähigkeit kritisieren die Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Bei einer Verbändeanhörung heute im Kanzleramt bezeichnen sie das Vorgehen der Bundesregierung bei der Umsetzung der im vergangenen Jahr verabschiedeten globalen nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) als zu zaghaft, in Teilen widersprüchlich und nicht  ausreichend konfliktorientiert. „Gemessen an den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung ist auch Deutschland ein Entwicklungsland. Es sollte sein ganzes Potenzial und Entwicklungsvermögen neben der nationalen Ebene auch in einen Wandel auf EU- und weltweiter Ebene stecken: von der Energie- über eine Mobilitäts- bis hin zur Ernährungs- und Agrarwende“, sagt Klaus Milke, Vorsitzender von Germanwatch und der Stiftung Zukunftsfähigkeit. "Die Bundesregierung müsste dafür transformative internationale Partnerschaften und Kooperationen mit auf die Beine stellen. Wir müssen den negativen und mit Blick auf die weltweite Verteilung von Ressourcen ungerechten ökologischen Fußabdruck schnellstens verkleinern, indem nachhaltige Konsum- und Wirtschaftsweisen zum Standard werden." Dafür müssten mehr Menschen befähigt werden, die Wirkung ihres persönlichen Engagements für die Veränderung ökologischer und sozialer Rahmenbedingungen zu vergrößern - hier spricht man vom "Hand Print".

TTIP könnte großes Hindernis für Umsetzung global gerechter Nachhaltigkeit werden
Milke betont, dass die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie in ihrer gesamten Konzeption europäischer werden müsse. "Das wäre auch ein wichtiger Schritt auf unsere europäischen Nachbarn zu. Wir brauchen zudem eine gemeinsame Nachhaltigkeitsstrategie auf EU-Ebene“, so Milke weiter. Deutschland solle nicht den Anschein erwecken in allen Nachhaltigkeitsfragen besonders weit zu sein. Klaus Milke: "Natürlich ist schon einiges erreicht. Aber Deutschland sollte viel mehr Mut haben, zu noch offenen Fragen und zu noch zu lösenden Konflikten zu stehen. TTIP droht zum Beispiel ein großes Hindernis für die Umsetzung von global gerechter Nachhaltigkeit zu werden."

Bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele müsse auf Prozesse gesetzt werden. Neue Formen der gesellschaftlichen Partizipation der bisherigen Nachhaltigkeitsarchitektur an die Seite zu stellen sei das Gebot der Stunde. "Das wäre auch ein deutliches Zeichen an diejenigen Regierungen, die die Zivilgesellschaft in ihren Ländern immer mehr einengen", betont Milke. "Bis 2030 muss diese Agenda umgesetzt sein. Da müssen im Sinne von Inclusiveness alle mitwirken: Bildung für nachhaltige Entwicklung auf allen Ebenen ist unabdingbar."

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