Blogpost | 30.04.2016

IPCC will bis 2018 Sonderbericht zu 1,5 Grad Erwärmung erstellen

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Blog von Manfred Treber zur 43. IPCC-Sitzung in Nairobi, April 2016

  
Forderungen der Zivilgesellschaft weitestgehend entsprochen

Die 43. Plenarsitzung des Weltklimarates IPCC fand vom 11. bis 13. April 2016 am UN-Standort in Nairobi statt und Germanwatch war dort als einzige anwesende Vertretung der Zivilgesellschaft. Es war die erste Plenarsitzung nach der Wahl des neuen IPCC-Vorsitzenden Hoesung Lee und des neuen Vorstands ("Bureau") im Oktober 2015 in Dubrovnik. Inhaltliches Schwerpunktthema war dabei die Entscheidung über die im sechsten IPCC-Zyklus anstehenden Sonderberichte.

Bereits im Juli 2015 waren die beim IPCC angemeldeten Staaten wie auch die Zivilgesellschaft vom IPCC-Sekretariat angeschrieben worden, Vorschläge zu Themen für Sonderberichte zu machen, die im kommenden IPCC-Zyklus zu erstellen seien. Climate Action Network mit seinen über 900 Mitgliedsorganisationen, darunter auch Germanwatch, fühlte sich angesprochen, und die dafür zuständige CAN-Arbeitsgruppe identifizierte mit den Themen a) 1,5 Grad-Szenarien, b) Landnutzung und c) Meeresspiegelanstieg drei Themen, die eines Sonderberichtes des IPCC würdig seien und sandte dies an den IPCC.

Hinzu kam noch, dass auf dem Klimagipfel in Paris (Dezember 2015) im Kontext des Paris-Abkommens der Beschluss gefasst worden war, den IPCC einzuladen, bis zum Jahr 2018 einen Sonderbericht zu 1,5 Grad Erwärmung zu erstellen.

Das IPCC-Sekretariat wertete die auf seinen Brief eingegangenen Reaktionen unter Berücksichtigung der Einladung durch die COP in Paris aus, identifizierte 31 Vorschläge, die als Thema für einen Sonderbericht genannt worden waren, und teilte sie in neun "Cluster" (A bis I) ein. Das IPCC-Bureau befasste sich auf seinem Treffen im Februar 2016 mit dem Thema, tauschte sich mit den neuen Ko-Vorsitzenden der drei Arbeitsgruppen des IPCC aus und identifizierte vier Cluster (A, B, F und I) als für einen Sonderbericht prioritäre Themen - die drei Vorschläge von CAN waren in den Clustern A, B und F.

Diese Vorarbeiten für die Plenarsitzung in Nairobi waren für die Entscheidungsfindung sehr hilfreich. Doch blieb die Frage,  zu welchen Clustern, und wie viele Sonderberichte überhaupt im sechsten Zyklus erstellt werden konnten und sollten. Zwei bestimmt, aber reichen die Ressourcen für drei? Zur Behandlung dieser Fragen richtete der Vorsitzende ein Kontaktgruppe ein, die von den IPCC-Vize-Vorsitzenden Ko Barrett (USA) und Youba Sokona (Mali) geleitet wurde.

An sich war durch die überwältigende Mehrheit der Wortmeldungen im Plenum klar, dass der Sonderbericht zu 1,5 Grad Erwärmung (Cluster F) Priorität haben sollte. Einzig Saudi-Arabien, das sich nicht gegen diesen Bericht aussprach, ihn aber nicht so prioritär einstufen wollte, führte durch immer wiederkehrende Einsprüche zu einem Stocken des Verhandlungsfortschritts. Immerhin konnte früh festgestellt werden, dass es keinen Sonderbericht zu den regionalen Auswirkungen des Klimawandels geben würde. Und immer mehr Staaten sprachen sich für drei Sonderberichte aus, obwohl nicht klar war, ob das Sekretariat im Stande war, den damit verbundenen Arbeitsaufwand zu erbringen und die zeitliche Taktung zwischen den Berichten zu gewährleisten.

Als Saudi-Arabien seine Nachfragen aufgegeben hatte, war klar, dass das Thema 1,5 Grad der Inhalt des ersten Sonderberichts werden würde. Alle anwesenden Länder haben sich damit einstimmig und vehement dafür ausgesprochen, eine Zukunft mit höchst ambitioniertem Klimaschutz, bei der die Erwärmung nicht 1,5 Grad gegen vorindustriell übersteigt, minutiös zu erkunden: welche schlimmen Folgen der Klimaänderung uns damit erspart bleiben und auf welche Weise sich die Welt entwickeln muss, damit die Erwärmung nicht über 1,5 Grad steigt.

So blieb noch die Entscheidung, welche weiteren Themen in einem Sonderbericht behandelt werden sollten. Landnutzung (d.h. Cluster A), Ozeane (d.h. Cluster B) oder Städte (d.h. Cluster I)? Vielleicht ausschlaggebend war das Argument, zu Städten lägen noch wenig wissenschaftliche Publikationen vor, da die betroffene Community unter sich anders kommunizieren würde. Man einigte sich darauf, das Thema Städte im siebten Zyklus des IPCC in einem Sonderbericht anzugehen. So blieben für den sechsten Zyklus neben dem 1,5-Grad-Bericht zwei weitere Sonderberichte zu den Clustern A und B. Eine zeitliche Reihenfolge oder eine nähere Spezifizierung wurde nicht vorgenommen. Dies geschieht, wie auch das Scoping des Sonderberichtes zu 1,5 Grad, auf der nächsten IPCC-Plenarsitzung im Oktober (in Genf oder Wien).
 


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