Blogpost | 11.12.2014

Gute Ernte in schlechten Zeiten: Trotz erfolgreicher Projekte steht der Anpassungsfonds langfristig vor einer finanziellen Dürreperiode

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Blog-Beitrag von Lisa Junghans und David Eckstein, Dezember 2014

Der Applaus kurz vor Ende der Klimaverhandlungen in Lima war groß: Höher als noch im Jahr zuvor sicherte Deutschland dem Anpassungsfonds (AF) vor wenigen Tagen 50 Mio. Euro zu. Das bescherte dem jetzt größten Geber des Fonds großes Lob: den Ray of the Day, eine zivilgesellschaftliche Auszeichnung für Klimaheldentaten auf der Konferenz.

Einmal mehr hat Deutschland damit erheblich dazu beigetragen, dass der Fonds auch im kommenden Jahr seine wichtige und erfolgreiche Arbeit weiterführen kann. Die Fähigkeit des AF, Projekte wirksam durchführen zu können zeigen die folgenden Projektbeispiele.

Senegal geht voran. Das im Jahr 2011 als erstes direct access Projekt unter dem AF initiierte Vorhaben gilt als erfolgreich abgeschlossen. Damit hat es als erstes fertig gestelltes Projekt unter dem AF Signalwirkung. Das Anpassungsvorhaben zum Thema Küstenerosion, welches vom Centre de Suivi Ecologique, der senegalesischen nationalen Implementierungsbehörde (NIE) durchgeführt wurde, zeigt den positiven Einfluss einer NIE deutlich. Eng an die Ziele des Nationalen Anpassungsprogrammes angelehnt, hat das Projekt die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung des Landes und der Kommunen gestärkt und insbesondere aus institutioneller Sicht Wissenskapazitäten geschaffen.

Südafrika auf neuen Wegen. Das in der Literatur oft beschriebene Konzept des enhanced direct access, welches die Projektentscheidung weg vom Vorstand des AF auf die nationale Ebene verlagert, wird in Südafrika gerade getestet. Die erst vor wenigen Monaten vom AF genehmigte und 2,4 Mio. USD schwere Community Adaptation Small Grants Facility (SGF) soll Großes erreichen: Innerhalb der nächsten 4 Jahre sollen 12 bis 16small grants Projekte in zwei Regionen Südafrikas mit bis zu 100.000 USD ausgestattet werden, um Anpassungsmaßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, klimataugliche Infrastruktur und zur Schaffung klimawandelresilienter Lebensgrundlagen für diverse Bevölkerungsgruppen zu finanzieren.

Honduras – Anpassung goes urban. Das Anpassungsprojekt in Honduras war das erste, das der Fonds in seiner noch jungen Geschichte bewilligte. Im Gegensatz zu vielen anderen Vorhaben im Portfolio des AF, richtet sich das Projekt in der Hauptstadt Tegucigalpa nicht an ländliche Gemeinden, sondern an die besonders verletzliche urbane Bevölkerung. Konkret wurde mit Hilfe des AF die Infrastruktur in Tegucigalpa und der umliegenden Gemeinden im Choluteca Flussbecken gestärkt. Neben der Installation von Regenwassernutzungsanlagen wurden auch 46 Wetterbeobachtungsstationen in Tegucigalpa aufgebaut. Die zahlreich durchgeführten Workshops innerhalb des Landes stellten dabei ein kooperatives Klima zwischen allen Beteiligten her, was heute in der Projektimplementierung Früchte trägt.

Dank der deutschen Zusage wird der AF drei von vier der seit geraumer Zeit bewilligten aber bisher nicht finanzierbaren Projekte ab sofort umsetzen können. Dennoch bleibt das finanzielle Fundament des Fonds weiterhin instabil, denn mit den 50 Mio. Euro hat der Fonds bisher sein diesjähriges Fundraising-Ziel nur zu drei Vierteln erreicht. Umso mehr sind daher nun die Regierungen anderer Länder gefordert, dem deutschen Vorbild zu folgen und zumindest die restlichen rund 15 Mio. Euro beizusteuern. Für eine langfristige Erfolgsgeschichte ist allerdings eine nachhaltigere Lösung dringend notwendig.


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Dieser Blogbeitrag erschien zuerst auf www.deutscheklimafinanzierung.de.
 

 

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