Kasseler Bürgerpreis 2018: Wichtige Auszeichnung für Saúl Luciano Lliuya

Pressemitteilung

Kasseler Bürgerpreis 2018: Wichtige Auszeichnung für Saúl Luciano Lliuya

Germanwatch freut sich über große Wertschätzung für das Engagement des Peruaners, der RWE auf Beteiligung am Schutz vor Klimawandelrisiken verklagt

Bild: Germanwatch Pressemitteilung

Kassel/Bonn (29. Mai 2018). Saúl Luciano Lliuya wird der Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ verliehen. Diese Entscheidung haben heute Vorstand und Kuratorium der Gesellschaft der Freunde und Förderer dieses Preises bekanntgegeben. Die 28. Verleihung der renommierten Auszeichnung findet am 23. September (Sonntag) in Kassel statt. Der peruanische Bergführer und Kleinbauer Saúl Luciano Lliuya, der derzeit vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm gegen den Energiekonzern RWE wegen Klimarisiken klagt, wird den Preis persönlich entgegennehmen. Unter den bisherigen Preisträgern finden sich Persönlichkeiten wie Hans-Dietrich Genscher (1991), Joachim Gauck (2009), Vandana Shiva (2012), Jürgen Habermas (2013) oder Edward Snowden (2016) sowie Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen (2017).

Luciano Lliuya freute sich in einer ersten Reaktion sehr über diese Auszeichnung: "Der Preis ist eine große Überraschung. Meine Familie und ich sind sehr glücklich über diese Anerkennung unserer bisherigen Bemühungen. Dies zeigt, dass unser Engagement als richtig und notwendig wahrgenommen und geschätzt wird."

Saúl Luciano Lliuya lebt in Huaraz in den Anden und ist dort gemeinsam mit Tausenden weiteren Bewohnern dem Risiko ausgesetzt, von einer riesigen Flutwelle getroffen zu werden. Der Grund liegt in einem durch die beschleunigte Gletscherschmelze stark wachsenden See oberhalb der Stadt. In einem Zivilprozess fordert er von RWE, einem der Hauptmitverursacher des Klimawandels, eine finanzielle Beteiligung an Schutzmaßnahmen am Rand des Sees. RWE soll sich entsprechend seines Anteils am menschgemachten Klimawandel - rund 0,5 Prozent - an den Kosten beteiligen. Das OLG Hamm hat Ende vergangenen Jahres entschieden, dass diese Auffassung rechtlich schlüssig sei und es daher nun in die Beweisaufnahme gehen wird. Derzeit wählt das Gericht auf Grundlage von Vorschlägen der am Verfahren beteiligten Parteien geeignete Sachverständige aus.

Klaus Milke, Vorsitzender der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch, die Saúl Luciano Lliuyas Anliegen in diesem Präzedenzfall unterstützt: „Wir sind voller Freude, dass damit das mutige und kraftvolle Handeln unseres Freundes Saúl Luciano Lliuya eine solche Wertschätzung erfährt. Diese so wichtige zivilrechtliche Musterklage, die nun seit zweieinhalb Jahren geführt wird, bedarf großer Geduld und Stärke, auch seitens der Familie der Luciano Lliuyas. Seit dem bahnbrechenden Zwischenentscheid des Oberlandesgerichts Hamm im November 2017 schauen Betroffene des Klimawandels und Investoren weltweit auf dieses Verfahren. Gleichwohl kann es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis tatsächlich ein Urteil fällt.“ 

Germanwatch wird der Familie Luciano Lliuya weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen, die Stiftung Zukunftsfähigkeit hat sich verpflichtet, für die Anwalts-, Gerichts- und Gutachtenkosten aufzukommen. Sie ruft dafür zu Spenden auf.

Der Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ wurde 1990 von Kasseler Bürgerinnen und Bürgern als eine Auszeichnung gestiftet, mit der Personen oder Institutionen geehrt werden, die sich in besonderer Weise um die Maximen der Aufklärung verdient gemacht haben. Der Preis besteht aus einer von Karl Oskar Blase entworfenen Skulptur und einem Geldpreis in Höhe von 10.000 Euro.

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