FAQ zum deutschen und globalen Erdüberlastungstag

Hintergrundpapier

FAQ zum deutschen und globalen Erdüberlastungstag

(Stand: April 2018)

PIC: Frage & Antwort

An dieser Stelle haben wir Wissenswertes und Antworten auf die am meisten gestellten Fragen rund um den deutschen und den globalen Erdüberlastungstag zusammengestellt:

 

A. Deutscher und globaler Erdüberlastungstag

B. Wie ist der Ressourcenverbrauch in Deutschland
und was können wir tun?

 


 

A. Deutscher und globaler Erdüberlastungstag
 

Am 2. Mai ist der deutsche Erdüberlastungstag 2018. Was beschreibt dieser Tag?
Der 2. Mai verdeutlicht, wie viele Ressourcen Deutschland anteilig an den globalen Ressourcen verbraucht. An diesem Tag würde die Welt ins ökologische Defizit geraten, wenn alle Menschen weltweit so leben und wirtschaften würden wie die Bevölkerung in Deutschland. Die Weltbevölkerung bräuchte dann eigentlich drei Erden.

Was sagt der globale Erdüberlastungstag aus?
Der globale Erdüberlastungstag beschreibt, dass wir – die gesamte Weltbevölkerung – die natürlichen Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann, verbraucht haben. Ab dem Tag beanspruchen wir also für das restliche Jahr mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald, als uns rechnerisch zur Verfügung stünden. Und wir stoßen weit mehr CO2-Emmissionen aus, als die Wälder und Ozeane der Welt aufnehmen können. Der Tag verdeutlicht, dass die gesamte Weltbevölkerung 1,7 Erden bräuchte, um den durchschnittlichen globalen Bedarf an natürlichen Rohstoffen nachhaltig zu decken.

Wo liegt Deutschland im weltweiten Vergleich?
Der ökologische Fußabdruck Deutschlands liegt im globalen Vergleich im oberen Viertel aller Länder. Zum Vergleich: Bei einem weltweiten Ressourcenverbrauch wie in den USA bräuchten wir fünf Erden, bei einem wie in China 2,2, in Frankreich 2,8 und in Großbritannien 2,9 Erden (Zahlen für 2018).


 

Liegen die Tage jedes Jahr ein bisschen früher?
Der globale Erdüberlastungstag rückt immer weiter nach vorn. Im Jahr 2000 fiel der Erdüberlastungstag noch auf den 23. September. Im Jahr 2008 – vor 10 Jahren – war es der 16. August. 2017 der 2. August.

Der deutsche Erdüberlastungstag lag in den vergangenen drei Jahren immer Ende April. 2017 war der Tag bereits am 24. April erreicht. Das ist allerdings kein Indiz für eine Trendumkehr. Auch das Global Footprint Network bestätigt, dass die leichte Verbesserung vor allem auf Schwankungen bei den CO2-Emissionen zurückzuführen ist. Diese waren beispielsweise wegen eines milden Winters im für die aktuelle Berechnung entscheidenden Basisjahr 2014 leicht gesunken. Sie stiegen in den folgenden Jahren wieder an und damit wird der Tag wahrscheinlich auch wieder etwas früher im Jahr liegen.


 

B. Wie ist der Ressourcenverbrauch in Deutschland und was können wir tun?

 

In welchen Bereichen ist der globale Fußabdruck in Deutschland am größten?
Den größten Fußabdruck hat Deutschland durch seinen CO2-Ausstoß (3,24 in globalen Hektar/Person), gefolgt von Ackerland (0,91 gha) und forstwirtschaftlichen Produkten (0,51 gha). (bebautes Land: 0,16; Weideland: 0,17; Fischgründe: 0,05)

 

Was sind die Ursachen dafür, dass wir unsere Ressourcen so unfassbar schnell verbrauchen?
In Deutschland tragen vor allem die hohen CO2-Emissionen in den Bereichen Energie, Verkehr und industrielle Landwirtschaft und der große Flächenbedarf – insbesondere für den Anbau von Futtermitteln für die Fleischproduktion – zur Überlastung der Erde bei.

Auch die versiegelte Fläche in Deutschland wächst. Von 1992 bis 2015 nahm die versiegelte Fläche um mehr als 20 Prozent zu.[1] Die Bodenversiegelung verursacht Konflikte mit anderen Flächennutzungsansprüchen, etwa für die landwirtschaftliche Produktion und unserem Bedarf an Waldflächen, schadet den Böden und begünstigt Hochwasser. 

 

Was muss die Regierung tun?
Auf der Handlungsebene ist in erster Linie die Politik gefragt. Die neue Bundesregierung muss die entsprechende Rahmenbedingungen und Infrastruktur für ein ressourcenschonendes Wirtschaften schaffen. Sie muss die Energiewende und den Kohleausstieg genauso vorantreiben wie einen Wandel im Bereich Verkehr und Mobilität. Die Bundesregierung bekennt sich zwar zur Ressourceneffizienz und im Rahmen des Pariser Klimaabkommens sowie der Agenda 2030 auch zur zentralen Bedeutung der Reduktion des absoluten Ressourcenverbrauchs. Aber in der Verkehrspolitik sehen wir beispielsweise, dass die Bundesregierung nicht gewillt ist, für die Reinhaltung der Luft geeignete Maßnahmen durchzusetzen. Der Erdüberlastungstag zeigt, dass die Bundesregierung messbare und verbindliche Reduktionsziele setzen muss.

Auch im Bereich Landwirtschaft ist ein Wandel hin zu ressourcenschonenden Anbaumethoden dringend notwendig. Agrarökologische Anbaumethoden, die ohne Pestizide und chemische Düngemittel auskommen und sowohl die Bodenfruchtbarkeit als auch die Biodiversität fördern, müssen dringend stärker gefördert werden. Gleichzeitig muss Schluss sein mit einer industriellen Massentierhaltung, für die in Südamerika auf riesigen Flächen Futtermittel angebaut werden und deren Abfallprodukte wie Gülle das Grundwasser und Böden verunreinigen.

 

Was kann jede/r Einzelne tun?
Auch wenn wir in erster Linie die Politik in der Pflicht sehen endlich zu handeln, gibt es viele Bereiche, in denen jede/r Einzelne dazu beitragen kann, die Ressourcen zu schonen: Bei Urlaubsreisen können wir überlegen, welche Verkehrsmittel wir nutzen, und uns fragen, ob wir auf Flugreisen verzichten können. Auch im Alltag kann jede/r das Auto öfter stehen lassen und auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel umsteigen. Wir können abwägen, was wir essen – ob wir regionale Lebensmittel kaufen, wie viel Fleisch und tierische Produkte wir kaufen. Ein reduzierter Fleischkonsum kann massive Einsparungen von Treibhausgasemissionen sowie von Acker- und Weideflächen bewirken. Wir können unseren Papierverbrauch überdenken und überlegen, ob wir Recyclingpapier nutzen können. All das kann dabei helfen, die Ressourcen zu schonen.

Berechne deinen eigenen Fußabdruck unter: http://www.footprintcalculator.org/  


 

C. Berechnung der Daten

 

Wie werden die einzelnen Daten berechnet?
Die Daten werden vom „Global Footprint Network“ bereitgestellt, das schon seit sehr vielen Jahren den globalen Überlastungstag berechnet. Dort arbeitet man mit Zahlen der Vereinten Nationen. Etwa 15.000 Datenpunkte pro Land und Jahr fließen in die Berechnung ein.

Eingerechnet werden der CO2-Ausstoß, das benötigte Ackerland, Waldflächen, Weideland, Fischgründe sowie die bebaute Fläche. Dabei wird jeweils das verbrauchte biologische Material (in Tonnen) dem Ertrag der Fläche (in Tonnen pro Hektar) gegenübergestellt. Der ökologische Fußabdruck eines Landes ergibt sich aus der gesamten Fläche, die benötigt wird, um den Ressourcenverbrauch und die Aufnahme von Emissionen und Abfall zu gewährleisten.

Die Maßeinheit für den ökologischen Fußabdruck ist der so genannte globale Hektar, der die durchschnittliche Produktivität einer Fläche weltweit in einem Jahr beziffert. Diese Maßeinheit ist sinnvoll, da sonst unterschiedlich ertragreiche Flächen in verschiedenen Regionen der Welt nicht miteinander verglichen werden können.

 

Welche Ressourcen werden NICHT eingerechnet?
Es werden nur nachwachsende natürliche Rohstoffe in die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks einbezogen, d.h. keine mineralischen Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Mineralien, Metalle und Erze. Ebenso wenig wird der reine Süßwasserverbrauch einkalkuliert, sondern stattdessen die benötigten Wasserflächen, um natürliche Ressourcen (z.B. Fisch) zu regenerieren.


 

D. Kleines Glossar

 

Was bedeutet globaler Hektar?
Ein globaler Hektar ist ein Hektar Fläche, der eine global gesehen durchschnittliche Produktivität aufweist. Diese Maßeinheit ist sinnvoll, da sonst unterschiedlich ertragreiche Flächen in verschiedenen Regionen der Welt nicht miteinander verglichen werden können.

 

Was beschreibt die Biokapazität?
Die Biokapazität beschreibt die Fähigkeit der Erde, natürliche Ressourcen aufzubauen, zu generieren und Abfälle sowie Emissionen aufzunehmen.

 

Was sind ökologische Schulden?
Ökologische Schulden beschreiben die Summe des jährlichen ökologischen Defizits, also den Grad, zu dem mehr Ressourcen genutzt werden, als nachhaltig zur Verfügung gestellt werden können. Seit Mitte der 80er Jahre übersteigt der ökologische Fußabdruck der Weltbevölkerung jährlich die globale Biokapazität, also die Menge an regenerierbaren Ressourcen, die von der Erde nachhaltig zur Verfügung gestellt werden können.

 

Publikationsdatum
4/2018