Saúl gegen den Klimawandel

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Saúl gegen den Klimawandel

Blog-Beitrag von Antonio Zambrano Allende (Direktor von MOCICC), 2016

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Im Jahre 2001 schickte Peru seine erste offizielle nationale Mitteilung zum Klimawandel an die Vereinten Nationen. Seitdem wurden viele unabhängige Berichte zur Gefährdung unserer Umwelt und zu den Klimaveränderungen innerhalb von Peru veröffentlicht. Zusammen mit  wissenschaftlichen und überlieferten Erkenntnissen entwickelte sich ein neues Bewusstsein für die Bedrohungen, die die auch im Alltag erlebbaren Klimaveränderungen verursachen. Zeichen dieser Veränderungen sind die massive Gletscherschmelze, Dürren, regelmäßige Flutkatastrophen, das Entstehen neuer Krankheiten, und das Aussterben traditionell bedeutsamer Agrarpflanzen.

Im Laufe dieser Entwicklungen wurde im Juni 2009 die Bürgerbewegung gegen den Klimawandel (MOCICC - Movimiento Ciudadano Frente al Cambio Climático) als Plattform für den Kampf gegen die Ursachen des Klimawandels gegründet. Uns wurde schnell klar, dass Peru eines der am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Länder ist, obwohl wir nur für 0,4% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Da die Hauptverursacher Staaten und Unternehmen im globalen Norden sind, sollten diese vorangehen, wenn es darum geht, für die Kosten der entstandenen und zu befürchtenden Schäden aufzukommen.

Klimawandel hat viele Ursachen. Er ist Folge der Akkumulation und Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Und er ist Symbol für den Kampf um unsere Heimat und gegen das große Kapital, das uns beraubt und unterwirft. So verstehen wir als Organisationen der peruanischen Zivilgesellschaft das Phänomen Klimawandel. Und deswegen kämpfen wir auf lokaler Ebene für Resilienz und Souveränität in unseren Gebieten im Regenwald, im Hochland und an der Küste, gegen Abholzung, Bergbau und Ölförderung.

In diesem Kontext muss man auch juristische Klagen wie die von Saúl Luciano Lliuya gegen die von RWE verursachte Umweltverschmutzung verstehen: Sie zeugen von Kampf um Gerechtigkeit und strategischer Anstrengung, und sie bauen eine Brücke zwischen der lokalen und globalen Ebene. Vor diesem Hintergrund sehen wir wie Saúl Luciano die Notwendigkeit, dass im Kampf für Klimagerechtigkeit die größten historischen Emittenten für die von ihnen verursachten Schäden zur Verantwortung gezogen werden, ganz gleich in welchem Winkel  des Planeten. Saúl, der seine Stadt und Nachbarschaft gegen die Gletscherschmelze und das Flutrisiko schützen will, verkörpert das Streben aller Peruaner nach Gerechtigkeit.

Durch unsere tägliche Arbeit bei der Bürgerbewegung gegen den Klimawandel versuchen wir, eine Plattform für eine breite nationale Bürgerdebatte zu erstellen. Damit wollen wir Druck auf die Regierung ausüben, Verbindungen mit anderen Organisationen herstellen und die Bevölkerung aus ihrer lokalen und regionalen Problematik heraus mobilisieren. Hierdurch wird unsere Vision immer klarer: wir müssen nicht das Klima verändern, sondern das System. Genauso müssen wir die größten Umweltverschmutzer herausfordern und ihre Verantwortung für die sozialen und Umweltschäden des Klimawandels hervorheben. Damit sind unsere täglichen, kleinen, lokalen und individuellen Aktionen für die Bewegung von großer Bedeutung. Hierdurch zeigen wir immer wieder auf, dass wir unserem Planeten zuliebe unsere gesamte Zivilisation verändern müssen.

Obwohl die peruanische Regierung 2014 die COP20-Präsidentschaft innehatte, verschlechterte sich die peruanische Umweltpolitik erheblich in den letzten Jahren. Verschiedene Gesetze weichten die Umweltbelastungsregeln auf und fuhren die staatlichen Kontrollmöglichkeiten zurück.

Dagegen muss der Kampf auf juristischer, sozialer, wirtschaftlicher und politischer Ebene ausgetragen werden. Dies kann zu einer ernsthaften Debatte über notwendige politische Maßnahmen und die Möglichkeiten zur Vermeidung von Schäden und Verlusten in unseren Gemeinschaften führen. Damit hoffen wir, dass unsere Rechte in unseren Ländern sowie in Debatten bei den Vereinten Nationen erkannt und respektiert werden. Das ist unentbehrlich.


Antonio Zambrano Allende ist Direktor der peruanischen Bürgerbewegung gegen den Klimawandel MOCICC (www.mocicc.org). Er setzt sich in Peru und bei den UN-Klimaverhandlungen für die globale Klimagerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung ein.

Publikationsdatum
4/2016