Blogpost | 21/01/2021

Globaler Klima-Anpassungsgipfel: Vom Klimawandel betroffene Länder brauchen mehr Unterstützung

Foto, das einen gemeindebasierten Deichbau im Südsudan 2019 zeigt

Im Südsudan haben starke Regenfälle Ende 2020 ganze Landstriche unter Wasser gesetzt. Foto: VSF/Diakonie Katastrophenhilfe

Globaler Klima-Anpassungsgipfel

Auf Einladung des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte findet der Climate Adaptation Summit, der Globale Klima-Anpassungsgipfel, vom 25.-26. Januar 2021 virtuell statt. Er markiert den Abschluss des Aktionsjahres der Globalen Anpassungskommission, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Auftakt war im September 2019 der von UN-Generalsekretär António Guterres ausgerichtete UN-Klimasondergipfel gewesen. Seitdem zielte das Aktionsjahr darauf ab, Empfehlungen der Kommission voranzutreiben, darunter zum Beispiel ihr Bericht „Adapt Now“ und die sogenannten „Action Themes“ – ein Maßnahmenpaket bestehend aus elf Themenbereichen. Es hat das Ziel, die Anpassung an den Klimawandel weltweit voranzubringen und so die Situation der Betroffenen zu verbessern und eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen.

Der Gipfel ist wichtig, weil das Thema Anpassung bisher nicht im dringend benötigten Umfang auf internationaler Ebene adressiert wurde: Die Weltklimakonferenz COP26 wurde um ein Jahr verschoben und die Ankündigungen der Regierungschef*innen beim Sondergipfel zum Jubiläum des Pariser Klimaabkommens im Dezember 2020 legten lediglich einen Schwerpunkt auf Klimaschutz – Anpassung und der Umgang mit Klimafolgen sowie die entsprechende Unterstützung kamen zu kurz. Die hochkarätige Teilnahme einer Vielzahl von Entscheidungsträger*innen und Regierungschef*innen wie Emanuel Macron (Frankreich), Boris Johnson (Vereinigtes Königreich), Sheik Hassina (Bangladesch) und nicht zuletzt der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Anpassungsgipfel, lässt auf eine prominente Verankerung des Themas in der internationalen politischen Agenda hoffen. Mit besonderer Spannung wird die Teilnahme der USA erwartet. Es kursieren Gerüchte, dass der von Joe Biden ernannte Klimabeauftragte der USA, John Kerry, an dem Treffen teilnehmen wird. Joe Biden hat angekündigt, dass die USA nach seinem Amtsantritt sofort wieder dem Pariser Klimaabkommen beitreten werden, somit wäre dieser Gipfel der erste Termin bei dem die USA wieder als ernstzunehmender Verhandlungspartner als Teil der Pariser Familie mit am Tisch sitzen könnte.

Klimaanpassung und Aufbau von Resilienz sind ebenso wichtig wie Klimaschutz

Es ist zentral, dass neben der rapiden Reduktion von Treibhausgasen zur Eindämmung der globalen Klimakrise auch der Umgang mit heute und zukünftig auftretenden Folgen des Klimawandels politische Priorität genießt. Alle Länder sind betroffen, doch leiden Länder des Globalen Südens, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, überproportional stark unter Folgen wie Stürmen, Dürren und Meeresspiegelanstieg. Dies zeigt auch der am Montag erscheinende Klima-Risiko-Index 2021 von Germanwatch, der die weltweiten Auswirkungen von Extremwetterereignissen im Zeitraum 2000-2019 sowie für das Jahr 2019 analysiert. Die laut Index am stärksten betroffenen Länder zählen zu den ärmsten und verwundbarsten. Gleichzeitig reichen ihre Kapazitäten zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels und zur Bewältigung seiner ernsten Auswirkungen nicht aus. Zum Beispiel verfügen sie über wenige Ressourcen um die Folgen abzupuffern und benötigen mehr Zeit für den Wiederaufbau. Dies trifft besonders die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen. Diese Kapazitäten – wo möglich – zu stärken und die Länder entsprechend zu unterstützen, muss daher höchste Priorität haben. Dieser sogenannte Resilienzaufbau erweist sich in der voranschreitenden Klimakrise und den Herausforderungen der Corona-Pandemie wichtiger denn je. In der klimapolitischen Prioritätensetzung sollte er daher spätestens jetzt mit dem Klimaschutz gleichziehen.

Große Lücken in der Anpassungsfinanzierung

Der jüngst zum fünften Mal erschienene Adaptation Gap Report des Umweltprogramms der Vereinten Nationen zeigt, dass die relevante Unterstützung für Länder des Globalen Südens bisher nur unzureichend zur Verfügung gestellt wird. Zugangsmöglichkeiten der verletzlichsten Länder müssen verbessert werden. Obwohl 72 Prozent der Länder nationale Anpassungsinstrumente wie Pläne, Strategien oder Gesetze verabschiedet haben, bleibt die für die Umsetzung notwendige Finanzierung weit hinter dem Bedarf zurück. Aktuell liegen die jährlichen Anpassungskosten bei 70 Milliarden USD. Eine Erhöhung auf 140-300 Milliarden USD im Jahr 2030 und 280-500 Milliarden USD im Jahr 2050 wird erwartet. Die Kosten für nicht mehr vermeidbare Schäden und Verluste sind hier noch nicht eingerechnet. Zum Vergleich: Studien zeigen, dass aktuell nur ca. 21 Prozent der globalen Klimafinanzierung für Anpassung bereitgestellt werden.

Die Corona-Pandemie verschärft diese Situation zusätzlich, da viele Länder für Anpassung eingeplante Ressourcen zur Pandemiebekämpfung einsetzen mussten. Klares Resümee des Reports ist daher eine dringende Erhöhung öffentlicher und privater Finanzmittel für Anpassung.

Resilienz stärken und Zusagen umsetzen

Der Globale Anpassungsgipfel muss daher zeigen, dass Länder wie Deutschland ihre Verpflichtungen ernst nehmen, zugesagte finanzielle Unterstützung umsetzen und diese weiter aufstocken. Beim UN-Sondergipfel im Dezember 2020 wurden bereits Finanzmittel angekündigt, blieben aber hinter den Erwartungen und dem nötigen Umfang zurück. Die von der deutschen Bundeskanzlerin zugesagten 50 Millionen Euro für den Anpassungsfonds waren ein erfreulicher Auftakt. Dort hatte sie auch einen Prozess angekündigt, in dem Deutschlands Beitrag für das im Pariser Abkommen verankerte neue Finanzierungsziel ab dem Jahr 2025 vereinbart werden soll. Ein wichtiges Signal wären nun die Zusage, die deutsche Klimafinanzierung über die nächsten fünf Jahren aufzustocken, sodass ab 2025 mindestens 8 Milliarden Euro pro Jahr bereitgestellt werden und die Hälfte davon der Anpassungsfinanzierung gewidmet werden. Aktuelle Studien zeigen unterdessen, dass die von den Industriestaaten zugesagten jährlichen 100 Milliarden Dollar ab dem Jahr 2020 nicht erreicht werden und nur ein Bruchteil der Mittel für Klimaanpassung bereitgestellt werden. Ganz zu schweigen von zusätzlich notwendigen Mitteln für den Umgang mit Schäden und Verlusten, die auch durch Anpassungsmaßnahmen nicht mehr vermieden werden können.

Covid-19 und die zunehmenden ernsten Auswirkungen des Klimawandels führen uns vor Augen, wie eng die Krisen unserer Zeit miteinander verflochten sind und Verwundbarkeit auf vielen Ebenen verursachen. Gerade jetzt wird die Fähigkeit zur Bewältigung von Krisen – die Resilienz – wichtiger denn je. Klimaresilienz ist dabei entscheidend. Der Globale Anpassungsgipfel bietet die Möglichkeit, wegweisende Schritte in diese Richtung zu gehen und die nachfolgenden UN-Gipfel COP26 in Schottland und COP27 auf dem afrikanischen Kontinent vorzubereiten.

Der Blogbeitrag wurde gemeinsam mit Sabine Minninger von Brot für die Welt verfasst.

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Referentin für Anpassung an den Klimawandel und Menschenrechte
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