Meldung | 18/11/2021 - 05:25

Wichtigste Antibiotika bewahren – stärkere Regulierung (in) der Tierhaltung!

Ein human- und veterinärmedizinischer Appell anlässlich des European Antibiotic Awareness Day 2021
Antibiotika Appell 2021 - Logoteppich

Die moderne Medizin ist ohne Antibiotika undenkbar. Ihre Verfügbarkeit zur Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten rettet täglich weltweit unzählige Leben. Durch die zunehmende Entstehung und Verbreitung antimikrobieller Resistenzen (AMR) laufen wir aktuell jedoch Gefahr, wirksame Antibiotika zu verlieren – nichts weniger als die globale Gesundheit steht auf dem Spiel. Der hohe und regelmäßige, Resistenzen begünstigende Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ist deshalb nicht mehr hinnehmbar.

Eine Bedrohung von pandemischen Ausmaßen

Schon heute erkranken allein in der EU jährlich 670.000 Menschen an Infektionen durch antibiotikaresistente Erreger, 33.000 Menschen sterben daran. Laut Europäischem Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist die Belastung durch Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien in der europäischen Bevölkerung vergleichbar mit der von Influenza, Tuberkulose und HIV/AIDS zusammen. Für das Jahr 2050 werden jährlich 390.000 durch AMR ausgelöste Todesfälle in Europa und 10 Millionen Todesfälle global prognostiziert. Das ist mehr als die prognostizierte Zahl der durch Krebs und Diabetes verursachten Todesfälle zusammen. Sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin gilt es also, die Bedrohung durch AMR im Sinne des One-Health-Ansatzes, der die Gesundheit von Mensch, Tier und auch Umwelt eng zusammen denkt, viel entschiedener zu bekämpfen.

Aktuelle Chancen nutzen, um Antibiotika in der Tierhaltung stärker zu regeln

Wir appellieren an die Europäische Kommission sowie an die zuständigen Ministerien in den Mitgliedstaaten, weitgehende präventive Maßnahmen zu ergreifen und sich dafür bietende Chancen – wie aktuell v. a. im tiermedizinischen Bereich – zwingend wahrzunehmen:

  • Schließen Sie wichtigste, von der WHO als „critically important antimicrobials of highest priority“ (CIA HP) eingestufte Antibiotika vom Einsatz in der industriellen Tierhaltung aus! Dies ist über die aktuelle Ausgestaltung eines neuen Antibiotika-Rechtsakts (Art. 37 (5) der VO (EU) 2019/6) möglich. Schaffen Sie dabei zugleich die Möglichkeit der Einzeltierbehandlung für u. a. Haustiere (z. B. über zwei separate Listen).  
     
  • Schließen Sie CIA HP auch über die nationalen Antibiotika-Resistenzstrategiepläne konsequent für den Einsatz in der industriellen Tierhaltung aus!
     
  • Fokussieren Sie sich im Zuge der aktuellen Revision der EU-Tierschutzgesetzgebung sowie auch nationaler Prozesse zum Umbau der Tierhaltung insbesondere auf den Aspekt der Tiergesundheit über Zucht, Haltung und Fütterung! Dazu gehören auch Ansätze zur innerbetrieblichen sowie allgemeinen Bestandsreduktion.

Dieser Appell wird von einem breiten Bündnis an Organisationen aus der Human- und Veterinärmedizin sowie dem Umwelt- und Tierschutz getragen und unterstützt:

  • Ärzte gegen Massentierhaltung n.e.V. (Doctors against Factory Farming)
  • Ärztenetz Bielefeld e.V. Projekt Antibiotische Therapie in Bielefeld – AnTiB
  • Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V. | Pharmacists without borders Germany
  • BUKO-Pharma-Kampagne – Gesundheit und Dritte Welt e.V.
  • Compassion in World Farming EU
  • Cystic Fibrosis Europe
  • Deutsche Umwelthilfe e.V. (Environmental Action Germany)
  • Difäm - Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V. (German Institute for Medical Mission)
  • Germanwatch e.V.
  • Gesellschaft für ganzheitliche Tiermedizin e.V.
  • Greenpeace e.V.
  • Initiative Bielefelder Hausärzte
  • Liga für Hirtenvölker und nachhaltige Viehwirtschaft e.V. (League for Pastoral Peoples and Endogenous Development)
  • MEZIS Mein Essen zahl ich selbst – Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte
  • MISEREOR e.V.
  • Missionsärztliches Institut (Medical Mission Institute)
  • MRSA Action UK
  • Mukoviszidose e.V. – Bundesverband Cystische Fibrose
  • Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN-Germany)
  • PROVIEH e.V.
  • Stiftung gesunde Erde gesunde Menschen gGmbH
  • Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e.V. (Veterinarians for Responsible Agriculture)
  • Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
  • Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten e.V.
  • Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte e.V.

 


Sie wollen sich als Organisation unserem Appell anschließen? Dann melden Sie sich gerne bei:

Konstantinos Tsilimekis, Teamleiter Welternährung, Landnutzung und Handel

Tel. +49 (0)30 / 57 71 328-82
E-Mail: tsilimekis@germanwatch.org

Ansprechpartner:innen

Teamleiter Welternährung, Landnutzung und Handel
+49 (0)30 / 57 71 328-82