Nota de prensa | 08/07/2008

Elektronikfirmen befassen sich mit Umwelt- und Menschenrechtsstandards bei ihren Rohstoff-Zulieferern

Pressemitteilung

Ein Jahr nach Beginn der makeITfair-Kampagne gehen Elektronikunternehmen vielversprechende Verpflichtungen zu Umwelt- und Menschenrechtsthemen ein. makeITfair drängt die Unternehmen darauf, diese Versprechen in konkreten Aktivitäten umzusetzen.

Berlin, 8. Juli 2008. makeITfair veröffentlicht heute Aussagen von Elektronikunternehmen zur zukünftigen nachhaltigeren Gestaltung der Rohstoffgewinnung in ihren Zulieferketten. Die Übersicht lässt einen deutlichen Positionswechsel erkennen. Noch vor etwas mehr als einem Jahr lehnten es dieselben Unternehmen ab, für die Verletzung von Arbeits-, Umwelt- und Menschenrechtsstandards ihrer Rohstoff-Zulieferer Verantwortung zu übernehmen. Inzwischen sticht Hewlett-Packard hervor: Das Unternehmen initiierte kürzlich eine eigene Studie und adressiert die Prinzipienliste von makeITfair. Als Reaktion auf den Druck der makeITfair-Kampagne verpflichteten sich die sektorweiten Zusammenschlüsse Electronics Industry Citizenship Coalition (EICC) und Global e-Sustainability Initiative (GeSI) zu einer Kooperation mit bestehenden Rohstoff-Initiativen, um die Bedingungen beim Abbau der Rohstoffe zu verbessern.

"makeITfair begrüßt diese Reaktion und erwartet, dass diese Vorsätze auch zu konkreten Aktionen und Verbesserungen führen. Gleichzeitig bedauern wir, dass viele Firmen keine konkreten Maßnahmen angekündigt haben", sagt Cornelia Heydenreich von Germanwatch, einer der deutschen Trägerorganisationen von makeITfair. makeITfair zeigt sich außerdem besorgt darüber, dass einige Firmen gar nicht an der Befragung teilgenommen haben oder ihre Aussagen eine mangelnde Bereitschaft zur Übernahme voller Zulieferverantwortung und fehlendes Engagement zum Ausdruck bringen.

Im November 2007 veröffentlichte makeITfair Studien über die Menschenrechts- und Umweltrisiken in Afrika bei der Förderung von Kobalt, Zinn und Platinmetallen. Diese Rohstoffe werden in Elektronikprodukten wie Mobiltelefonen und Computern verarbeitet. Als Reaktion auf die Studien haben einige Elektronikfirmen begonnen, ihre Zulieferketten gründlicher nachzuverfolgen. Im Januar 2008 präsentierte makeITfair die Studien im Rahmen eines internationalen Runden Tischs den Unternehmen. Auf der Basis der Diskussion erarbeitete makeITfair in Kooperation mit einigen anderen NGOs eine Prinzipienliste zur Unternehmensverantwortung in der Rohstoffförderung von IT-Produkten. Diese Liste wurde an alle großen Elektronikmarkenfirmen mit der Bitte um eine öffentliche Stellungnahme zur geplanten Einbeziehung der Prinzipien in die jeweilige Unternehmenspraxis geschickt.

Von den 23 angeschriebenen Unternehmen antworteten 17, außerdem beteiligten sich EICC und GeSI. Als Reaktion auf die makeITfair-Aktivitäten gaben EICC und GeSI Ende 2007 eine eigene Studie in Auftrag, um die Verbindung zwischen der Rohstoffindustrie und den Elektronikprodukten zu untersuchen. Diese Studie, die am 23. Juni 2008 veröffentlicht wurde, unterstrich die Verantwortung der Elektronikindustrie zur Verbesserung der Arbeits-, Umwelt- und Menschenrechtsbedingungen in der Rohstoffförderung für Elektronikprodukte. In den Antworten an makeITfair drückten auch die Unternehmen ihre Besorgnis über die schlechten Bedingungen in der Rohstoff-Zulieferkette aus. Sie halten eine Zusammenarbeit mit Multistakeholder-Initiativen zu sozialen und ökologischen Bedingungen in der Rohstoffindustrie für möglich. Gleichzeitig sind die Unternehmen aber der Meinung, dass die Rückverfolgung der Herkunft der Metalle, die in einem bestimmten Produkt verwendet werden, schwierig bis unmöglich ist.

Nur Hewlett-Packard bezog sich in der Beantwortung der Fragen detailliert auf die makeITfair-Prinzipien. Das Unternehmen hat eine eigene Studie über die Rohstoffe in ihren Produkten erstellt. HP stellte die Absicht dar, seine Zulieferer um eine Bestätigungserklärung zu ersuchen, dass sie den Verhaltenskodex von EICC oder vergleichbare Prinzipien einhalten. HP regt an, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zu versuchen, das in ihren Produkten genutzte Zinn bis zur Mine zurückzuverfolgen. Ebenso schlägt HP eine Kooperation mit EICC und den Initiativen zur Unternehmensverantwortung im Rohstoffsektor vor.
 

Für Rückfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:

  • Cornelia Heydenreich, Germanwatch, Referentin Unternehmensverantwortung, 030/2888-3564, heydenreich@germanwatch.org

Weitere Infos:

makeITfair hat von den folgenden 17 Unternehmen eine Antwort erhalten: Apple, Dell, Fujitsu-Siemens, Hewlett-Peckard, IBM, Lenovo, Microsoft, Motorola, Nintendo, Nokia, Philips, Samsung, Sony, Sony Ericsson, ST, TomTom und Toshiba. Von diesen Firmen haben Fujitsu-Siemens, Hewlett-Peckard, Motorola, Nintendo, Nokia, TomTom, Sony Ericsson, Samsung, Philips und Toshiba individuelle Antworten an makeITfair gerichtet. Diese Antworten unterschieden sich jedoch signifikant in Bezug auf Details, Ambition und den gesamten Ansatz des Umgangs mit Zulieferern. Apple, Dell, IBM, Lenovo, Microsoft, Sony und ST bezogen sich nur auf die EICC/GeSI-Studie.

Folgende Unternehmen haben keine Antwort zur Verfügung gestellt: Acer, Creative, LG, Logitech, Palm und Rim.

makeITfair informiert über die Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in der Produktionskette von Unterhaltungselektronik, u.a. von Mobiltelefonen, MP3-Playern, Spielkonsolen und Laptops. Neun Organisationen aus mehreren europäischen Ländern kooperieren in diesem dreijährigen Projekt, das von der EU gefördert wird. In Deutschland wird makeITfair von Germanwatch und der Verbraucher Initiative getragen. Die anderen Projektpartner sind SOMO und IRENE aus den Niederlanden, SwedWatch, Church of Sweden und Fair Trade Center aus Schweden, FinnWatch/Finnish Association for Nature Conservation aus Finnland und KARAT aus Polen.