Blogpost | 20/01/2020

Künstliche Intelligenz für den Klimaschutz? Ja, bitte. Aber nur nachhaltig!

Bits & Bäume - Konferenz 2018

Auch auf der Konferenz 'Bits & Bäume' diskutierte Germanwatch über Künstliche Intelligenz.

Künstliche Intelligenz ist das Schlagwort aktueller Debatten.

Die Energiewirtschaft gilt als eine der Vorreiterinnen bei der Anwendung. Konkrete Einsatzmöglichkeiten gibt es in Erzeugung, Vertrieb, Endnutzung und bei den Netzen. Doch ein Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), der blind gegenüber den Risiken ist, ist abzulehnen. 

KI? Ja, bitte!

Die Chancen von KI für die Energiewende sind weitreichend. Wir müssen die flexible Erzeugung von grünem Strom mit dem Verbrauch koordinieren. Dafür brauchen wir Prognosen, zum Beispiel über Zustände in Netzen und Speichern oder bei Erzeugung und Verbrauch. Verfahren der KI können diese Prognosen schnell, ausdauernd und kostengünstig erstellen. 

Darüber hinaus kann die Technik zum Beispiel Standorte für Windanlagen auswählen, Anlagen und Netze warten und sie effizienter planen. Auch kann sie Effizienzpotentiale im Verbrauch heben oder die Natur schützen. 

KI ist keine Naturgewalt

Doch ein umfassender Einsatz von KI birgt Gefahren. Neben Datenschutz und Datensicherheit gibt es eine Reihe von ökologischen und sozialen Herausforderungen. Letztlich kann KI – auch im Energiesektor – sogar die Demokratie gefährden. Denn die wachsende politische Macht großer Datenkraken untergräbt die Entscheidungsfindung in einem offenen, machtarmen Diskurs.

Wie alle Entwicklungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, ist KI keine Naturgewalt. Ihr Einsatz ist ein sozialer Prozess, den wir gestalten können und müssen. Es wäre töricht, KI gedankenlos einzusetzen, ohne die Risiken politisch zu adressieren. 

Datenschutz und Datensicherheit garantieren

In Bezug auf den Datenschutz brauchen wir strengere Regeln, welche Daten Unternehmen sammeln, verarbeiten und weitergeben dürfen. Unternehmen müssen Zustimmungserklärungen verständlich formulieren. Und Verbraucher*innen müssen die Möglichkeit haben, einer Erklärung zu widersprechen, ohne gleich ganz auf ein Angebot verzichten zu müssen. Bei allen Anwendungen sollte Datenschutz voreingestellt sein. 

Für die Datensicherheit ist wesentlich, dass die Bundesregierung Unternehmen verpflichtet, Quellcodes offenzulegen, wenn sie keine Sicherheitsupdates für eine Software bereitstellen. Nur so können Dritte an der Entwicklung der Updates arbeiten. KI-Systeme müssen dringend dahingehend geprüft werden, ob sie für den Einsatz in kritischen Infrastrukturen geeignet sind. Energiesysteme müssen eine Notversorgung garantieren, auch wenn KI-Systeme aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden. 

Energiesystem

Im Energiesystem fallen viele Daten an, die es zu nutzen gilt, um möglichst viele Erneuerbare Energien ins Netz zu bringen.

Umwelt, Menschenrechte, soziale Gestaltung

Auf Seite der ökologischen Risiken sollte die Politik
nur KI fördern, durch die Energie gespart wird –
und zwar unter Berücksichtigung sogenannter Rebound-Effekte, die häufig dazu führen, dass scheinbare Einsparungen nicht tatsächlich auftreten EU und Bundesregierung sollten zudem vorschreiben und kontrollieren, dass Unternehmen Ressourcen für Rechenzentren nur unter Achtung der Menschenrechte und umweltschonend beschaffen. 

Prosumer*innen sind häufig Hausbesitzer*innen, die eine Solaranlage mit einem Stromspeicher oder auch einem Elektroauto kombinieren. Mit Hilfe von KI können sie sich in Zukunft voraussichtlich immer häufiger ohne Stromnetz versorgen. Unter sozia-
len Gesichtspunkten sollte die Politik verhindern, dass sich Prosumer*innen in Bezug auf die Stromnetzkosten unsolidarisch zeigen. Denn wenn sie sich an diesen Kosten nicht beteiligen, werden diese auf diejenigen Verbraucher*innen umgelegt, die sich die Kombination aus Solaranlage und Speicher nicht leisten können oder keinen Platz dafür haben. 

Bei Machtverhältnissen genau hinschauen!

Bundesregierung und Kartellbehörden sollten ferner Indikatoren entwickeln, um Missbräuche von datenbasierter Macht festzustellen. Kartellbehörden prüfen dann bei Fusionen, ob die Zusammenführung von Daten mit dem gesetzlich verankerten Datenschutz vereinbar ist. EU und Bundesregierung sollten zudem Kopplungen von Angeboten einer Dienstleistung an den Kauf eines Produktes verbieten. 

EU und Bundesregierung können und müssen KI so fördern, dass die Energiewende vorankommt. Einen Einsatz von KI für die Energiewende, der die Risiken ausblendet, lehnt Germanwatch jedoch ab. Wir müssen die Risiken vielmehr zwingend durch die angerissenen politischen Rahmenbedingungen eindämmen.


Dieser Artikel wurde zuerst in ähnlicher Form auf der Seite des Wissenschaftsjahrs Künstliche Intelligenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung publiziert.

AutorInnen

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Referent für Energiewendeforschung und Digitale Transformation
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