Nota de prensa | 20/08/2015

Brasilien und Deutschland bekennen sich zur globalen Energiewende: Erstes Schwellenland sichert Umstieg auf Erneuerbare im Laufe des Jahrhunderts zu

Germanwatch begrüßt unerwartet deutliches klimapolitisches Signal aus brasilianisch-deutscher Regierungserklärung
Pressemitteilung

Bonn/Brasilia (20. August 2015). Am Abend mitteleuropäischer Zeit haben Brasilien und Deutschland eine gemeinsame Regierungserklärung zu Klimaschutz veröffentlicht. "Die Erklärung setzt ein wichtiges Signal vor dem Pariser Klimagipfel", sagt Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. "Zum ersten Mal konkretisieren ein Industrie- und ein Schwellenland gemeinsam die Vision des 2-Grad-Limits. Im Laufe des Jahrhunderts sollen die Energiesysteme in ihren Ländern auf Basis von Erneuerbaren Energien dekarbonisiert sein. Deutschland hat zudem zugestimmt, dass die reichen Länder die ärmeren bei solchen Transformationen unterstützen sollen." In allen Bereichen des Energiesystems - Strom, Heizung, Kühlung, Verkehr - soll die Kooperation zwischen Deutschland und Brasilien in diesem Sinne verstärkt werden. Anders als beim G7-Gipfel von Elmau wird mit dem klaren Bekenntnis zu Erneuerbaren Energien kein Raum für Kernkraft sowie CO2-Abscheidung und -Lagerung (CCS) gelassen.

Beide Länder einigten sich auch darauf, beim Stopp des Raubbaus am tropischen Regenwald verstärkt zu kooperieren. Seit 2004 ist die jährliche Entwaldung in Brasilien bereits um 82% gesunken - teilweise mit deutscher Unterstützung. Nun bekräftigt die brasilianische Regierung ihre kürzlich gemachte Ankündigung, die illegale Entwaldung bis 2030 vollständig zu stoppen und verbleibende Emissionen durch legale Waldnutzung mit Hilfe anderer Maßnahmen auszugleichen. "Damit ist die brasilianische Regierung im Wort, bis 2030 direkt oder indirekt die Emissionen aus dem Waldbereich auf Null zurückzufahren. Deutschland will dies finanziell unterstützen. Auch das ist ein konstruktiver Schritt vorwärts", erklärt Bals.

"Sehr erfreulich ist, dass beide Länder als Kern des Abkommens auf einen Mechanismus drängen, der die Ambition ständig nachbessern soll um das Langfristziel zu erreichen", kommentiert Bals. "Wir brauchen solche Nachbesserungsrunden alle 5 Jahre".

Positiv sei auch, dass Brasilien Deutschland nicht nur eine wiederholte Zusage abgerungen hat, dass die Industrieländer ab 2020 jährlich 100 Mrd. US$ für den Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern mobilisieren sollen. Bals: "Beide Länder sehen, dass neben nationalen Maßnahmen in Entwicklungsländern öffentliche Gelder eine katalytische Rolle spielen müssen, um die viel größeren globalen Investitionsströme insgesamt in Richtung Klimaschutz und Anpassung zu lenken. Dabei sollen Gelder der Schwellenländer zunehmend die der Industrieländer ergänzen."

Der Glaubwürdigkeitstest liegt bei nationalen Zielen und deren Umsetzung

Für Brasilien wie für Deutschland liegt der Glaubwürdigkeitstest bei den nationalen Zielen und deren Umsetzung. "Brasilien will in wenigen Wochen sein Klimaziel bis 2030 ankündigen. Nur wenn Brasilien als wichtiges Schwellenland ein ambitioniertes landesweites Reduktionsziel vorlegt, sind die jetzigen Ankündigungen glaubwürdig." Ähnliches gilt für Deutschland: "Die deutsche Regierung muss in den nächsten Wochen zeigen, wie sie ihr 40%-CO2-Reduktionsziel bis 2020 umsetzen will. Bisher ist die Emissionsentwicklung nicht mit dem Zwei-Grad-Limit vereinbar. Deutliche Fortschritte bei der Energieeffizienz und der Kohlepolitik sind hier notwendig," so Bals.

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Sönke Kreft, Teamleiter Internationale Klimapolitik, 0176 / 216 827 34, kreft@germanwatch.org

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