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Probleme des Rohstoffabbaus in der Elektronikindustrie

Elektronikfirmen beginnen, Verantwortung zu übernehmen
 
 
Kinderarbeit im Kupfer- und Kobaltabbau in der Demokratischen Republik Kongo, Umweltkatastrophen beim Zinnabbau in Indonesien, Vertreibungen für den Platinabbau in Südafrika: Die Rohstoffförderung für die Elektronikindustrie bringt zahlreiche Probleme für die Menschen in Ländern des Südens mit sich.

Die internationale Kampagne makeITfair verlangt von den Elektronikunternehmen, Verantwortung für die gesamte Lieferkette zu übernehmen. Die Finanzierung des schmutzigen Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) durch den Abbau von Koltan für die Mobilfunk- und Computerindustrie hat Unternehmen und Öffentlichkeit aufgeschreckt. Zahlreiche Firmen verlangten daraufhin von ihren Zulieferern, auf Koltan aus dem Kongo zu verzichten. Doch kein Unternehmen zog die Konsequenz, die Zulieferer auch bei den 30 übrigen Metallen, die in Handys verwendet werden, sozial und ökologisch in die Pflicht zu nehmen.

makeITfair veröffentlicht Berichte, um die Unternehmen auch beim vergessenen Teil der Lieferkette in die Pflicht zu nehmen. Und tatsächlich ist der Metallabbau nun zu einem Thema der Markenfirmen in der Branche geworden. Als makeITfair 2007 einen ersten Fragebogen an die führenden Elektronikfirmen verschickte, war das noch anders. Die Firmen gaben an, dass sie die Herkunft der Metalle nicht zurückverfolgen können, da sie sie nicht selbst einkaufen. Sie betonten außerdem, dass sie deshalb keinen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen beim Abbau der Rohstoffe haben.


Kinder beim Kobalt-Abbau in der Provinz Katanga im Kongo
Foto: Palani Mohan

Im November 2007 veröffentlichte makeITfair dann Berichte über die erschreckenden Arbeits- und Umweltbedingungen beim Abbau von drei Metallen in Afrika. Die Studien zeigten, dass die Elektronikindustrie ein signifikanter Endverbraucher der Metalle ist (Zinn: 35 Prozent, Kobalt: 25 Prozent, Platinmetalle bis zu 14 Prozent). Sie belegten die Möglichkeit, den Weg zumindest einiger Metalle bis zu den Rohstoffminen zurückzu-verfolgen. Im Januar 2008 stellte die Kampagne die Ergebnisse der Studien bei einem internationalen Runden Tisch den Unternehmen vor. Bald darauf schickte makeITfair eine Liste mit Sozial- und Umweltstandards, die beim Abbau der Metalle eingehalten werden sollten, an alle führenden Elektronikunternehmen mit der Frage: Wie werden die Unternehmen diese in ihren Ansatz zur Unternehmensverantwortung integrieren? Parallel dazu gab es eine E-Mail-Aktion. Insbesondere Jugendliche wandten sich an die Elektronikunternehmen und forderten sie zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards bei der Rohstoffförderung auf.

17 der 23 angeschriebenen Unternehmen reagierten, zudem die beiden Unternehmenszusammenschlüsse Electronic Industry Citizenship Coalition (EICC) und Global e-Sustainability Initiative (GeSI), die auch eine eigene Studie zum Zusammenhang von Rohstoffabbau und Elektronikindustrie in Auftrag gaben. Die am 23. Juni vorgestellten Ergebnisse bestätigten, dass die Industrie eine bedeutsame Menge verschiedener Metalle verwendet und dass sie demnach Einfluss auf Sozial- und Umweltstandards beim Abbau hat. Die Empfehlungen von EICC und GeSI an die Firmen, mit Multi-Stakeholder-Initiativen im Bergbausektor zu kooperieren, die Rückverfolgbarkeit der Metalle zu erhöhen und Fortschritte beim Recycling zu erzielen, entsprechen weitgehend denen von makeITfair.

Nur Hewlett-Packard (HP) bezog sich in der Beantwortung der Fragen detailliert auf die makeITfair-Prinzipien. Das Unternehmen hat eine eigene Studie zu den Rohstoffen in ihren Produkten erstellt. HP stellte die Absicht dar, seine Zulieferer um eine Bestätigungserklärung zu ersuchen, dass sie den Verhaltenskodex von EICC oder vergleichbare Prinzipien einhalten. Das Unternehmen regte zudem an, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie das in ihren Produkten genutzte Zinn bis zur Mine zurückzuverfolgen.

Nach diesen ersten konstruktiven Schritten wird makeITfair weiterhin mit den Unternehmen zusammenarbeiten und sie dazu drängen, die Empfehlungen nun umzusetzen.

Esther de Haan und Tim Steinweg

Die Autoren sind Mitarbeiter des Center for Research on Multinational Cooperations (SOMO)

Übersetzung: Anika Busch

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zuletzt geändert am 26.08.08