| In der Theorie ist es ganz einfach:
Man liberalisiere den Markt und nutze möglichst effizient die Wettbewerbsvorteile.
Dann profitieren die Menschen weltweit auf kurz oder lang von einem höheren
Wohlstand. In der Praxis scheitert dieses Rezept meist an der Komplexität
der Welt. So zeigen die konkreten Erfahrungen der bisherigen Liberalisierung
im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) und anderer bilateraler Handelsabkommen,
dass sich trotz Wirtschaftswachstum die Schere zwischen Arm und Reich immer
weiter öffnet und eine Marktöffnung fatale Folgen für Ökosysteme
und kulturelle wie biologische Vielfalt mit sich bringen kann.
Dies gilt vor allem für die
Landwirtschaft, die wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig unmittelbar mit
Ökosystemen und sozialen Gemeinschaften in Zusammenhang steht. Die
Globalisierung des Agrarhandels verschärft den Wettbewerb und führt
dazu, dass lediglich die Produktionsleistungen der Landwirtschaft entlohnt
werden. All die anderen wichtigen Leistungen, die eine nachhaltige Landwirtschaft
erbringt, beispielsweise Ernährungssicherheit für Bäuerinnen
und Bauern, Vielfalt von Nutztier- und Pflanzenarten, Erhaltung von Ressourcen
wie Boden und Wasser und eine vielfältige Kulturlandschaft, werden
durch eine Deregulierung weder geschützt noch gefördert, sondern
geraten zunehmend unter Druck.
Die vielfältigen Vorschläge des EcoFair Trade Dialogue setzen im Kern auf eine doppelte Strategie: erstens den nationalen Handlungsspielraum von Regierungen wieder herzustellen und zweitens den Welthandel nicht zu deregulieren, sondern zu qualifizieren. Dazu gehört es auch, Importe anhand sozialer und ökologischer Kriterien zu regulieren. Über Jahre hinweg haben subventionierte Importe aus Industrieländern die Landwirtschaft im Süden unter enormen Druck gesetzt und viele kleinere Produzenten vom Markt verdrängt. Hinzukommt, dass ein großer Teil der Produktionskosten, die etwa durch starken Pestizid- und Düngemitteleinsatz, sinkenden Grundwasserspiegel oder abnehmende Biodiversität entstehen, auf die Gesellschaft abgewälzt wurden. Der Vorschlag des EcoFair Trade Dialogue eröffnet Ländern die Möglichkeit, umwelt- und sozialverträgliche Importe gegenüber konventioneller Ware systematisch zu begünstigen. So würde der Welthandel nicht mehr zu einem race-to-the-bottom führen, sondern zu einem race-to-the-top. Christine Chemnitz und Tilman Santarius Mehr Informationen zum EcoFair Trade Dialogue und Downloads unter www.ecofair-trade.org Christine Chemnitz ist Referentin für internationalen Agrarhandel bei der Heinrich-Böll-Stiftung. Tilman Santarius ist Projektleiter am Wuppertal Institut und Vorstandsmitglied bei Germanwatch. Beide koordinieren zusammen mit Mute Schimpf, Misereor, den EcoFair Trade Dialogue. |