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GERMANWATCH - Zeitung Nr. 4/02: Kurzberichte

Wer schützt die globalen öffentlichen Güter?

Der Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ liegt vor (Bundestag: -Drs. 14/9200). Zweieinhalb Jahre hat die Kommission „Gründe, die zur Globalisierung geführt haben, ihre Auswirkungen in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Bereichen sowie Handlungsoptionen zur Einwirkung auf die weitere Entwicklung“ einschließlich solcher „zur Beseitigung wesentlicher nachteiliger Effekte der Globalisierung“ untersucht.

Der Abschlussbericht mündet in 200 z.T. detaillierte Empfehlungen. Diese lassen sich einteilen in Empfehlungen, die generell auf die Veränderung von Rahmenregeln global wirksamer Institutionen zielen, solche die speziell mehr Chancengleichheit für Entwicklungsländer anstreben, die Kriterien für global wirksame Umwelt- Sozial- und Verbraucherstandards definieren und die Verhaltenskodizes für Unternehmen betreffen. Die Rolle der Zivilgesellschaft wird immer wieder betont, bleibt aber hinter Beschlüssen der UN (Aarhus-Konvention) und der ILO sowie Gepflogenheiten in den USA zurück. In Deutschland besteht gemessen an internationalen Transparenzstandards („Freedom of Information Act“ der USA, Aarhus-Konvention) ein Defizit.

Unter der Überschrift „Nachhaltiges Investment unterstützen” heißt es: „Für Investitionen, die nicht nur privatwirtschaftlichen sondern auch ökologisch nachhaltigen und/oder sozialen Zielen folgen („nachhaltiges“ oder „ethisches“ Investment), sollen Transparenzkriterien entwickelt werden. Eine regelmäßige Berichtspflicht aller Anlageformen über die Beachtung dieser Kriterien ist anzustreben. Bei der staatlichen Förderung von Investitionen, von Altersvorsorge oder von anderen Förderungsobjekten sollen Nachhaltigkeitskriterien angelegt werden.”

Jetzt gilt es diese Empfehlungen bekannt zu machen, in die tägliche politische Arbeit einzubringen und sowohl bei politischen als auch bei Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen.

Der nächste Bundestag entscheidet über die Fortsetzung der Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“. Am Ergebnis von Johannesburg wird die zukünftige Kommissionsarbeit anknüpfen müssen.

Michael Baumann, Stefan Rostock
 

Klimaschutz-Pflichten für Unternehmen

Die Studie "Risiken für Werte" (Value at Risk, www.ceres.org/pdf/climate.pdf.) sieht folgende Klima-Pflichten für die großen Unternehmen weltweit:

1. Sicherzustellen, dass das Unternehmen genügend Expertise hat, um informierte und verantwortliche Entscheidungen angesichts des globalen Klimawandels zu treffen.

2. Eine gründliche Analyse der jetzigen und künftigen wahrscheinlichen Risiken des Unternehmens angesichts des globalen Klimawandels und Konsequenzen für Finanzen und Wettbewerbsfähigkeit.

3. Eine gründliche Analyse der Chancen, die der globale Klimawandel für neue oder ausgedehnte Unternehmensaktivitäten und/oder Kostenreduktionen bietet.

4. Eine Bewertung des Umgangs mit Klimarisiken und -chancen durch das Unternehmen im Vergleich mit den Wettbewerbern und gegen Best-Practice-Beispiele aus anderen Sektoren.

5. Die Entwicklung, Ankündigung und Umsetzung einer ausdrücklichen Klimaschutz-Strategie, die in die Geschäftsstrategie des Unternehmens integriert ist.

6. Die Verknüpfung der klimarelevanten Entwicklung des Unternehmens mit unternehmensinternen Anreizen.

7. Die Suche nach neuen strategischen Allianzen und Unternehmensarrangements.

8. Sicherzustellen, dass das Unternehmen Best Practice-Standards für den Bericht über Klimarisiken gegenüber den Investoren und anderen relevanten Gruppen in und außerhalb des Unternehmens entwickelt.

9. Die Schaffung formaler Regeln der Verantwortlichkeit.

Christoph Bals
 

Kundennachfrage rüttelt Finanzbranche wach

Nachdem im Mai 2001 die Riester-Rente im Bundestag beschlossene Sache war, riefen wir in der GERMANWATCH-Zeitung vom Juli 2001 alle LeserInnen dazu auf, bei ihrer Bank oder ihrer Versicherung nach staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten mit ethischen, sozialen oder ökologischen Kriterien zu fragen. Diese Produkte befanden sich damals in der Entwicklungsphase und sollten durch die Kundennachfrage in positiv Richtung Nachhaltigkeitskriterien gelenkt werden. Auch erfuhren so die Schalterangestellten oft erstmals von der Nachhaltigkeitsberichtspflicht.

Wir erhielten viele Rückmeldungen dieser oft frustrierenden Nachfrageerlebnisse. Wir möchten uns bei allen, die an der Aktion teilgenommen haben bedanken.

Die Aktion läuft weiter, jeder Typ Finanzprodukt (Girokonto, Sparbuch, Investmentfonds, etc.) ist mittlerweile mit Nachhaltigkeitskriterien erhältlich. Viele konventionelle Anbieter haben neue Produkte im Angebot oder entwickeln solche zur Zeit. Die Wahrscheinlichkeit, auf einen informierten Bank- oder Versicherungskaufmann zu treffen, steigt. Es ist geplant, Anlageformen mit Nachhaltigkeitskriterien in der jeweiligen Ausbildung mitzubehandeln. Auch ein Erfolg.

Stefan Rostock
 
 
Risiken für ExxonMobils Aktienkurs?

Die bisherigen Kampagnen gegen Exxon waren keine einmaligen Aktionen, sondern weiten sich kontinuierlich aus 

Die ablehnende Einstellung von Unternehmen zur Klimapolitik schädigt deren Image; ebenso eine aggressiv gegen Klimaschutz gerichtete Lobbyarbeit, besonders wenn diese aus stark klimagefährdenden Branchen kommt. Durch diese konsequente Negierung von Umweltrisiken werden über den Imageschaden hinaus die langfristigen Unternehmensrisiken erhöht. Wenn etwa aufgrund von Wetterkatastrophen die Politik kräftig reagieren sollte, wären treibhausgasintensive Branchen, die sich nicht darauf eingestellt haben, extrem betroffen. Zur Vorsorge bedarf es eines aktiven Risikomanagements. Das kann entweder durch Investition in erneuerbare Energien und Energieeffizienztechnologie oder den Kauf von Optionen für Zertifikate geschehen, die zusätzlichen Klimaschutz in anderen Unternehmen nachweisen.

Außerdem wächst die Wahrscheinlichkeit, dass wie auf Tabakfirmen in den USA wegen gesundheitlicher Schäden, auch auf treibhausgasintensive Unternehmen, etwa aus der Kohle oder Ölbranche, entsprechende Schadensersatzforderungen für „Natur“katastrophen zukommen.

Bei ExxonMobil (in Europa ESSO), das immer wieder als zentraler Akteur gegen das Kyoto-Protokoll und aktiven Klimaschutz auffiel, ist z.B. das Risiko des Wertverlustes der Aktien groß, wenn sich an der Unternehmenspolitik nichts ändert. 

Die aggressive Unternehmenspolitik von ExxonMobil ist besonders deshalb unverständlich, da das Unternehmen durch große Gasreserven besser als seine Konkurrenten für den Wandel zu einer klimafreundlicheren Unternehmenspolitik gerüstet wäre. Mark Mansley von Claros Consulting hat dies in „Risking Shareholder Value? ExxonMobil and Climate Change“aufgezeigt. Die Studie (www.campaignexxonmobil.org) hat bereits erste Wirkungen gezeigt. Ein Antrag auf der Aktionärsversammlung, nach dem ExxonMobil seine Klimaschutzpolitik ändern und sich im Bereich erneuerbare Energien engagieren soll, hat die Unterstützung von über 20% der Aktionäre gewonnen. Viele sind dabei, die sich traditionell nicht mit sozialen und ökologischen Themen beschäftigen. 

ExxonMobils Reaktion auf die Studie Mansleys war, dass es „lächerlich“ sei zu behaupten, die ablehnende Haltung des Unternehmens zum Klimaschutz stelle ein Risiko für den Wert der Aktien dar. 

Der Druck wächst aber. 

Die bisherigen Kampagnen gegen Exxon, bzw. Esso in Europa, waren keine einmaligen Aktionen, sondern weiten sich kontinuierlich aus (s. z.B. www.stopesso.com). 

Verschärfen könnte sich der Druck, wenn immer mehr Länder, in denen ExxonMobil tätig ist oder tätig zu werden plant, vom Klimawandel betroffen sind. Im Lichte der Überlegungen Mansleys erscheint die gegenwärtige Unternehmenspolitik von ExxonMobil nicht nur unverantwortlich, sondern äußerst kurzfristig. Andere Ölunternehmen wie BP und Shell haben bereits begonnen, ihre Unternehmenspolitik zu ändern. Ob bei ExxonMobil ein Umdenken stattfinden wird, bleibt abzuwarten.

Heidi Kähkönen 


 


zuletzt geändert am 10.7.02