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Anlagestrategie und Unternehmensbewertungen großer Investoren werden nachhaltiger


Gemeinsame Pressemitteilung von Germanwatch und Systain Consulting

Bonn/Berlin, 13. Juli 2004. Immer mehr Banken, Versicherungen und Pensionsfonds erwarten von den börsennotierten Unternehmen detaillierte und zeitnahe Informationen über den Zusammenhang zwischen Unternehmensaktivitäten und ökologischen sowie sozialen Risiken. Nicht ob, sondern wie über solche "versteckte" Risiken und sich daraus ergebende Geschäftschancen dem Finanzmarkt berichtet und diese in der Unternehmenssteuerung verankert werden sollten, diskutierten etwa 30 Experten bei einem von Germanwatch und Systain Consulting organisierten und vom Bundesumweltministerium unterstützten Treffen. Es war Konsens, dass der Umgang der Unternehmen mit direkten und regulativen Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen im Rahmen der Corporate Governance zu verankern ist.

Das Expertentreffen erfolgte auf Basis einer von Systain Consulting für Germanwatch erarbeiteten Studie. Der Autor Joachim Schlange wertet darin die Aussagen von befragten Experten aus. Diese sind Akteure des Finanzmarktes, der Politik und Verwaltung, der jeweiligen Corporate Governance-Kommissionen, der Wissenschaft und der Nichtregierungsorganisationen in der EU, vor allem in Deutschland, Frankreich und England, sowie in den USA. Die Ergebnisse fasst Joachim Schlange so zusammen: "Die OECD-Prinzipien für Corporate Governance haben nur empfehlenden Charakter. Deshalb haben sie bislang keinen direkten Einfluss auf die Corporate Governance-Kodizes. Zugleich liegt es für die meisten befragten Experten auf der Hand, dass das Ausweisen aller finanzrelevanten Nachhaltigkeitsrisiken - etwa in Bezug auf den globalen Klimawandel oder AIDS - im Rahmen einer transparenten und vergleichbaren Unternehmens-Berichterstattung von erheblicher Bedeutung ist. Viele erwarten, dass solche Risiken in Zukunft als bilanzrelevant im Geschäftsbericht - nicht etwa in Umwelt- oder Nachhaltigkeitsberichten - ausgewiesen werden. Allerdings sind bislang nur in Frankreich börsennotierte Unternehmen gesetzlich zur Veröffentlichung ihres Nachhaltigkeits-Status im testierten Geschäftsbericht verpflichtet."

"Gleichzeitig wird die Berücksichtigung sozialer und ökologischer 'Kennzahlen' zunehmend als Chance auf einen strategischen Wettbewerbsvorteil angesehen, der sich gerade mittelfristig auch positiv auf den Shareholder Value auswirken kann." bemerkt Dustin Neuneyer, Referent für nachhaltiges Investment bei Germanwatch. "Jahrelang war die Orientierung des Handelns an kurzfristigen Gewinnerwartungen das Maß aller Dinge an den Kapitalmärkten. Wir haben hier deutliche Anzeichen, dass sich das zumindest für einen Teil der relevanten Akteure des 'Mainstreams' ändert", so Klaus Milke, stellvertretender Vorsitzender von Germanwatch.

Weitgehenden Konsens gab es unter den Teilnehmern, dass es größere Transparenz und Vergleichbarkeit der Berichte bezüglich der Nachhaltigkeitsrisiken von Unternehmen zu schaffen gilt. Dies könne entweder über eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen geschehen oder über entsprechende Berichtspflichten der Börsen für die bei ihnen notierten Unternehmen oder durch staatliche Transparenz-Regulierungen. Mit Interesse wurde deshalb die Gesetzgebung in Frankreich diskutiert, nach der Nachhaltigkeitsrisiken im testierten Geschäftsbericht ausgewiesen sein müssen.

Germanwatch wird die Fragen zum Zusammenhang zwischen Unternehmenssteuerung und Nachhaltigkeit in Dialog mit zentralen Akteuren weiter vertiefen und unter anderem ein Policy-Papier dazu verfassen.
 

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zuletzt geändert am 13.7.04