Am 23. Juni entscheidet das Europäische
Parlament darüber, ob es den Mitgliedsstaaten empfiehlt, das EU-Klimaziel
von 20 auf 30 Prozent anzuheben.
Brot für die Welt, Oxfam Deutschland,
Germanwatch, WWF, Greenpeace und Klima-Allianz nennen in diesem Positionspapier
10 gute Gründe, warum die EU ihre heimischen Treibhausgasemissionen
bis 2020 um mindestens 30 Prozent unter das Niveau von 1990 absenken sollte.
>> Hintergrundpapier
[PDF, 1,8 MB]
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Die zehn
Gründe im Überblick
1. Positive Dynamik für die
europäische Wirtschaft
Ein verbindliches Klimaziel von
30 Prozent Reduktionen der europäischen Emissionen bis 2020 kann eine
wirtschaftliche Dynamik auslösen, die im Vergleich zu einem 20-Prozent-Szenario
europaweit netto sechs Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schafft.
Mehr noch: Die Investitionsrate könnte von 18 auf 22 Prozent steigen
und das jährliche Wirtschaftswachstum von 2,2 auf 2,8 Prozent zunehmen.
2. Sinkende Kosten nach aktuellen
Berechnungen der EU-Kommission
Die Kosten eines 30-Prozent-Ziels
sind durch die Finanz- und Wirtschaftskrise erheblich gesunken. Zu diesem
Ergebnis kommen selbst Modellrechnungen der EU, die die positiven konjunkturellen
Auswirkungen eines ehrgeizigen Klimaschutzzieles nur unzureichend abbilden.
3. Sinkende Gesundheitskosten
durch weniger Luftverschmutzung
Eine Minderung der Emissionen um
30 Prozent und die damit einhergehende sinkende Luftverschmutzung führen
in Deutschland und Europa zu jährlichen Einsparungen im Gesundheitsbereich
in Milliardenhöhe.
4. Sinkende Abhängigkeit
von Energieimporten
Ambitionierterer Klimaschutz bedeutet
auch: Investitionen in Europa anstatt hoher Ausgaben für Energieimporte.
In einem 30-Prozent-Szenario fallen die europaweiten Kosten für Öl-
und Gasimporte im Jahr 2020 um mindestens 9-14 Mrd. EUR niedriger aus als
in einem 20-Prozent-Szenario.
5. Zusätzliche Einnahmen
aus dem Emissionshandel
Bei einem 30-Prozent-Ziel liegen
die Versteigerungserlöse aus dem Emissionshandel europaweit wieder
in den Größenordnungen, mit denen die Finanzminister noch vor
der Finanz- und Wirtschaftskrise gerechnet hatten. Deutschland kann über
den Zeitraum 2013-2020 mit Mehreinnahmen von 15 Mrd. € gegenüber
einem 20-Prozent-Szenario rechnen.
6. Ein Klimaziel von nur 20 Prozent
ist nicht ambitioniert
Minderungen der Treibhausgasemissionen
von nur 20 Prozent wären kaum mehr als business-as-usual.
7. Langfristiger Klimaschutz erfordert
mindestens 30 prozentige Emissionsminderungen bis 2020
Um das vom Europäischen Rat
beschlossene Ziel von mindestens 80-95 Prozent Reduktionen kosteneffizient
erreichen zu können, müssten bis 2020 die Emissionen in Europa
(d. h. ohne Verwendung von Carbon Offsets1) sogar um mindestens 34 Prozent
absinken.
8. Deutsches 40-Prozent-Ziel braucht
europäisches 30-Prozent-Ziel
Bleibt die EU bei ihrem 20-Prozent-Ziel,
wird Deutschland sein für 2020 gesetztes Ziel von 40 Prozent Reduktionen
verfehlen. Dafür sorgt die gesamteuropäische Regelung des Emissionshandels,
solange diese auf die Erreichung des niedrigen aktuellen EU-Ziels ausgerichtet
ist.
9. Nachteile für energieintensive
Industrie sind nicht zu erwarten
Analysen zeigen, dass Produktionsverlagerungen
energieintensiver Industrien (Carbon Leakage) kaum zu erwarten sind und
gesamtwirtschaftlich nicht ins Gewicht fallen.
10. Schubkraft für die internationalen
Verhandlungen
Nach dem Klimagipfel von Cancún
schaut die Welt auf die EU. Ein europäisches Klimaziel von 30 Prozent
Reduktionen kann eine Aufwärtsspirale in Gang setzen und andere Länder
beim Klimaschutz mitziehen. |