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Buchrezension der dpa

Die Welt am Scheideweg: Wie retten wir das Klima?

Reinbek (dpa/fwt) - Die UN-Klimakonferenz auf Bali gleicht einem Krimi: Nach tage- und nächtelangen Verhandlungen rennt der Chef des UNKlimasekretariats Yvo de Boer am frühen Samstagmorgen mit den Händen vor dem Gesicht aus dem Plenarsaal. Der Vertreter von Papua-Neuguinea sagt in Richtung USA: „Wenn Du nicht bereit bist, zu führen, dann gehe aus dem Weg.“ Sogar Australien und Japan rücken von der Blockadehaltung der USA ab. Schließlich ringt sich US-Delegationsleiterin Paula Dobriansky den Satz ab: „Wir werden vorangehen und uns in den Konsens einreihen.“ Einige Minuten später bricht sie zusammen und muss auf einer Trage hinausgebracht werden.

Hartes Ringen um den Klimaschutz

Gleich zu Beginn machen die vier Autoren des Buches „Die Welt am Scheideweg: Wie retten wir das Klima?“ (Rowohlt Verlag) deutlich, wie hart inzwischen international um den Klimaschutz gerungen wird. Der 2007 auf Bali letztlich verabschiedete Aktionsplan berge immerhin die Chance, dass im Dezember 2009 in Kopenhagen ein ambitioniertes, internationales, neues Klimaschutzabkommen verabschiedet werden könne. Die Autoren sind Christoph Bals und Klaus Milke, die als Klimaexperten der Organisation Germanwatch seit Jahren den Verhandlungsprozess zum Klimaschutz aus nächster Nähe beobachten. Hinzu kommen Horst Hamm und Ilona Jerger von der Chefredaktion des Magazins „Natur und Kosmos“.

Viele neue Katastrophen

Ursache für den Verhandlungskrimi von Bali seien die Ergebnisse aus der Klimaforschung: So lassen die natürlichen Kohlendioxid-Senken nach. Vor 50 Jahren wurden von jeder ausgestoßenen Tonne CO2 noch 600 Kilogramm in Ozeanen und von den Landorganismen aufgenommen, heute sind es nur noch 550 Kilogramm. Mit sinkender Tendenz. Wann die Weltmeere gesättigt sind, weiß niemand. Peter Höppe von der Versicherung Münchener Rück wird mit den Worten zitiert: Es gebe derzeit bis 2,5-mal soviel Fluten wie 1950, doppelt soviel Stürme und viermal soviel Hitzewellen, Dürren und Forstfeuer. Klimaunabhängige Katastrophen wie Erdbeben und Tsunamis hätten dagegen nur um das 1,5-fache zugenommen.

In verschiedenen sogenannten Zukunftswelten zeigen die Autoren, welche Folgen etwa das Handeln oder Nichtstun von heute im Jahr 2050 haben könnten. In einem Szenario muss der Automobilsektor seinen CO2-Ausstoß reduzieren, Flüge werden in den Emissionshandel einbezogen und die neue Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) sorgt für ein Aufblühen dieser Energien. Ein Kohlekraftwerk nach dem anderen wird vom Netz genommen und „Die Enkel staunen heute, wie unbeirrbar ihre Großeltern an dieser veralteten und gefährlichen Technik ... festgehalten hatten.“ Die USA, China und Indien haben die Nase in der ernergietechnischen Revolution vorn.

Flott geschrieben, mit vielen Interviews

Das Buch ist flott geschrieben und gespickt mit interessanten Porträts sowie Interviews führender Klimaforscher und Wirtschaftsmanager. Es gibt gerade zur Klimakonferenz in Posen (Polen) im Dezember 2008 einen guten Überblick über den Stand der Forschung und der politischen Verhandlungen sowie eine Vielzahl von Lösungsansätzen. Der Band enthält auch zahlreiche positive Beispiele zum Klimaschutz. Anhand von Jühnde in Niedersachsen etwa wird gezeigt, wie Biogas aus Gras, Hackschnitzeln und Gülle ein Dorf mit Strom versorgt.

Zuletzt geben die Autoren praktische Tipps, etwa für Geldanlagen in erneuerbare Energien und nennen Geldquellen, wenn das Haus auf klimafreundliche Energietechnik umgerüstet wird. Sie stellen auch das Spritspar- Auto Loremo vor, das 2010 vom Band rollen soll. Auf 100 Kilometern könnte es 1,9 Liter Sprit verbrauchen und bis zu 160 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell sein. Für sportliche Fahrer gebe es eine Version mit 200 km/h bei unter 3 Litern. (58 Zeilen / 3746 Anschläge)
 

Simone Humml, 17.11.08
 

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zuletzt geändert am 28.11.08