| Kohledämmerung
100 Organisationen der deutschen
Klima-Allianz fordern gemeinsam ein Kohlemoratorium. In Großbritannien
spricht ein Gericht die Protestierenden frei, die nachts Parolen an den
Schornstein schrieben - wegen der Gefahr, die von Kohlekraftwerken ausgeht.
Zu Recht geraten Braun- und Steinkohle sowie die sie finanzierenden Institutionen
ins Zentrum der Klimadebatte. Kein anderer Energieträger setzt pro
Energieeinheit so viel CO2 frei, keiner wächst - in absoluten Zahlen
- schneller.
Joschka Fischer hat soweit Recht,
dass wir bei weltweit 800 Kohlekraftwerken in Planung nicht so tun könnten,
als verschwände die Kohle bald von der Bildfläche. Aber sein
Vorschlag, Kohlekraftwerke schon jetzt zu genehmigen, "allerdings nur unter
dem Vorbehalt ..., dass sie nachgerüstet werden müssen, sobald
die Technologie der CO2-Abscheidung und -Lagerung verfügbar sei,"
hat drei Haken: Wir wissen noch nicht, ob diese CCS-Technologie hält,
was sie verspricht. Die nachträgliche Nachrüstung mit CCS ist
erheblich teurer. Und: Ein solcher Vorbehalt stünde rechtlich auf
tönernen Füßen.
Bis CCS sicher funktioniert und tatsächlich
zwingend vorgeschrieben werden kann, brauchen wir ein Kohlemoratorium.
Erst bei verbindlicher Ausrüstung mit CCS, wenn die Kohle einigermaßen
klimaverträglich ist, gibt es einen Wettbewerb auf gleicher Augenhöhe.
Dann wird man sehen, ob die Kohle immer noch kostengünstiger als einige
Erneuerbare-Energie-Technologien sein wird.
Christoph Bals |