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Heftige Diskussionen um Einbezug des Flugverkehrs in Emissionshandel

Ryanair lehnt Verantwortung für Klimaschutz ab

Die britische Regierung hat einen unverblümten Angriff auf die größten Fluggesellschaften gerichtet, da diese sich weigern, den Klimawandel ernst zu nehmen. Dabei wurde Ryan Air, "das verantwortungslose Gesicht des Kapitalismus", besonders gebrandmarkt und die Haltung der größten amerikanischen Fluggesellschaften als "eine Schande" bezeichnet.

Germanwatch übersetzt Ausschnitte eines im Guardian am 5.1.07 erschienenen Artikels von Patrick Wintour.

"Umweltminister Ian Pearson warnte (...)  davor, dass British Airways im Kampf um die Reduktion von CO2-Emissionen "nur ein Spiel spielt". Seine Worte gegen Mitglieder der Billigflieger-Branche sind deutlich härter als jene des Premierministers: Tony Blair wirkte sehr zurückhaltend, als es darum ging, sie in ihrem Wachstum einzuschränken.

Aber der Minister ist entschlossen, sich gegen das starke Lobbying von Teilen der Flugbranche zu wehren, besonders gegen deren Bestrebungen, marktwirtschaftliche Instrumente zur Emissionsreduzierung hinauszuzögern. (...)

Pearson sagte ebenfalls, er betrachte den absehbaren Anstieg der Emissionen des zivilen Flugverkehrs als derartige Bedrohung für die Pläne der Regierung zur Emissionsreduktion um 60% bis 2050, dass er von der Europäischen Union eine weitere und schnellere Einbindung der durch den Flugverkehr verursachten Emissionen in ihr Emissionshandelssystem erwartet.

Kurz vor Weihnachten schlug die EU vor, alle Flüge innerhalb Europas ab 2011 in das CO2-Handelssystem einzubinden. Ein Jahr später soll der Bereich auf alle internationalen Flüge ausgedehnt werden, die an EU-Flughäfen ankommen und abfliegen, einschließlich ausländischer Fluggesellschaften, die nicht der EU angehören.

Das System wird die Kosten eines transatlantischen Flugs voraussichtlich um etwa 25 Pfund [ca. 37 €] pro Passagier erhöhen, abhängig davon, wieviel die einzelnen Fluggesellschaften für weitere CO2-Erlaubnisse bezahlen müssen. Die EU meint, dass dieses Vorhaben das Wachstum der Kohlenstoffemissionen einschränken wird. Aber Ryanair-Geschäftsführer Michael O´Leary hat bereits angekündigt, das System zu boykottieren. Er lehnte das Vorhaben als "nur noch eine weitere Steuer" ab, während die großen amerikanischen internationalen Gesellschaften mit Prozessen drohen, um die Einbeziehung von Flügen aus den USA in die und von der EU zu verhindern.

In überraschend rauem Ton bezeichnete Pearson  O'Learys Haltung als "einfach nur absurd. Wenn es um den Klimawandel geht, ist Ryan Air nicht nur das unakzeptable, sondern auch das unverantwortliche Gesicht des Kapitalismus. O'Leary scheint stolz darauf zu sein, sich zu weigern, den Klimawandel als wirkliches Problem zu erkennen". (...) "Selbst British Airways spielt nur ein Spiel. Sie behaupten, sie wären mit einem Handelssystem zufrieden, das auf Flüge innerhalb Europas begrenzt ist, jedoch nicht mit einem, das alle Flüge einschließt, die in der EU starten."

Er fügte hinzu: "Wie jede andere Industrie muss auch die Flugverkehrsbranche ihren Anteil an der Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen, und die Pläne der Europäischen Union sind das Mittel, mit dem sie diesen tragen können." Herr Pearson mahnte British Airways vor Weihnachten, auch transatlantische Flüge als für das System nötig zu erkennen, um es glaubwürdig zu machen. Das System auf innereuröpäische Flüge zu begrenzen, würde bedeuten, nur 20% des CO2-Ausstoßes der EU-Flüge zu erfassen. Die EU schätzt, dass ein Passagierflug von London nach New York und zurück annähernd die selbe Emissionsmenge erzeugt wie ein durchschnittlicher EU-Bürger, um ein Jahr lang sein Haus zu beheizen. Prognosen deuten an, dass die Luftfahrt bis zu einem Viertel des britischen Beitrags zur globalen Erwärmung bis 2030 ausmachen könnte. (...)

Viele in der Flugbranche argumentieren, dass aus Wettbewerbsgründen nur innereuropäische Flüge einbezogen werden sollten. Sie vertreten die Meinung, dass ein möglicherweise freiwilliges weltweites Abkommen auf der Ebene der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO  ausgehandelt werden sollte. Aber die EU und viele Umweltschützer betrachten dieses Argument als Rezept der US-Verzögerungstaktik und meinen, es würde die Skepsis der US-Regierung gegenüber der Klimawissenschaft reflektieren. (...) O'Leary (...) sagte, seine Gesellschaft plane, ihren CO2-Ausstoß ihrem Wachstum entsprechend zu erhöhen. Er lehnte den jüngsten Bericht von  Sir Nicholas Stern, dem Chefökonomen des britischen Finanzministeriums, mit den Worten ab: "Viele Lügen und Fehlinformationen wurden von Öko-Spinnern auf der Grundlage des Berichts eines idiotischen Ökonomen in Umlauf gebracht." Herr O'Leary verteidigt seine Fluggesellschaft und bezeichnete sie als populärste europäische Fluggesellschaft. "Die Luftfahrt ist weder der Grund für die globale Erwärmung, noch die Lösung dafür. Steuern würden die Emissionen nicht verringern," sagte er. (...)"

Quelle: http://politics.guardian.co.uk/green/story/0,,1983336,00.html
 


zuletzt geändert am 26.2.07