Konzernatlas 2017

Publikation

Konzernatlas 2017

Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie 2017

Konzernatlas 2017 - Cover

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VORWORT

"Felder, Tiere und Wiesen – die Bilder auf den Verpackungen der Lebensmittel lassen uns an bäuerliche Landwirtschaft, traditionelles Handwerk und an eine intakte Natur denken. Dass diese Bilder häufig mit der heutigen Landwirtschaft und mit der industriellen Lebensmittelherstellung rein gar nichts zu tun haben, wissen viele Menschen, und dennoch: Unsere Lebensmittel sind emotional mit diesen Bildern geradezu untrennbar verbunden – und nicht mit der Realität und Praxis weltweit agierender Konzerne.

Die Ernährungsindustrie hält das traditionelle Bild der Landwirtschaft aufrecht, weil es den Kundinnen und Kunden ein gutes Gefühl gibt und sie beruhigt. Viele wissen nicht, dass weite Teile des Ernährungssektors zwischen wenigen Konzernen aufgeteilt sind. Und der Trend zur Machtkonzentration geht weiter. In den Ländern des Südens wächst die Mittelschicht und damit ändern sich auch die Konsum- und Ernährungsgewohnheiten. Es scheint gesichert, dass die Nachfrage nach verarbeiteten Lebensmitteln weltweit steigt. Ein möglichst großes Stück von diesem Kuchen abzubekommen – das ist nicht mehr nur erklärtes Ziel der Agrar-, Chemie-, und Lebensmittelkonzerne, das ist auch das Ziel der Banken, Versicherungen und der IT-Branche.

Übernahmen wie von Monsanto durch Bayer oder die Aufteilung der Märkte von Kaiser’s/Tengelmann zwischen Rewe und Edeka sind nur die Spitze des Eisberges. Auf allen Stufen der Lieferkette vom Acker bis zur Ladentheke finden Konzentrationsprozesse mit einer enormen Dynamik statt. Und es zeigt sich, dass die größten Player am schnellsten wachsen und ihre Interessen und Normen durchsetzen.

Die gesellschaftlich relevante Frage „Wann ist groß eigentlich zu groß?“ ist nicht leicht zu beantworten. Die Umsetzung ökologischer und sozialer Werte wie Menschenrechte, Arbeitsrechte, Klima- oder Umweltschutz hängt nicht unbedingt an der Größe eines Unternehmens. Aber in vielen Bereichen des Agrar- und Lebensmittelsektors haben einzelne Akteure durch ihre Marktmacht auch viel Gestaltungsmacht und politischen Einfluss. Die Konfliktlinie verläuft dabei meist entlang der ungleichen Machtverhältnisse: zwischen Agrar-, Lebensmittel- und Handelskonzernen auf der einen Seite und Bauern und Bäuerinnen, Arbeiterinnen und Arbeitern auf der anderen Seite. Die Schere zwischen ihren Anteilen an den Verkaufserlösen klafft immer weiter auseinander und die globale Ungleichheit nimmt zu.

"Verbindliche Regeln für Unternehmen, die Menschen und Arbeitsrechte einzuhalten, werden immer wieder torpediert."

Die Agrar-, Lebensmittel- und Handelskonzerne treiben die Industrialisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zur Ladentheke voran. Sie fördern mit ihrer Verkaufs- beziehungsweise Einkaufspolitik eine Landwirtschaft, bei der die Steigerung der Produktivität im Mittelpunkt steht und der Kampf um Marktanteile häufig zulasten der schwächsten Glieder in der Lieferkette geht: der Bäuerinnen und Bauern sowie der Arbeiter und Arbeiterinnen. Der Preisdruck der Supermarktketten und Lebensmittelkonzerne entlang der globalen Lieferkette ist aber nicht nur eine der Hauptursachen für schlechte Arbeitsbedingungen und Armut, sondern auch für den Vormarsch der industriellen Landwirtschaft verbunden mit gravierenden Klima- und Umweltproblemen weltweit. So geht der Verlust fruchtbarer Böden und der Biodiversität, die Überdüngung der Ozeane oder der Ausstoß klimaschädlicher Gase zu großen Teilen auf das Konto der industriellen Landwirtschaft. Trotzdem ist eine sozialökologische Neuorientierung – von punktuellen Fortschritten abgesehen – nicht in Sicht. Im Gegenteil: Verbindliche Regeln für Unternehmen, die Menschen- und Arbeitsrechte einzuhalten und die Umwelt zu schützen, werden immer wieder torpediert. Das hat viele Gründe. Einer der wichtigen sind die Machtstrukturen, die wir in dem vorliegenden Atlas beschreiben. Nur wenn wir die Geschäftsmodelle und Wachstumsstrategien der Konzerne durchschauen, können wir uns für die notwendigen politischen Änderungen einsetzen.

"Die Konzerne treiben die Industrialisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zur Ladentheke voran."

Bürger und Bürgerinnen müssen die Ernährungspolitik mitbestimmen können. Weltweit aber erleben wir, dass demokratische Freiräume beschnitten werden. In vielen Ländern, in denen unsere Organisationen tätig sind, wird die Zivilgesellschaft immer stärker zensiert, eingeschüchtert und entmutigt. Damit treffen gerade im Agrar- und Ernährungssektor zwei Prozesse aufeinander, die schwieriger nicht sein könnten: Auf der einen Seite übernehmen immer weniger Konzerne immer mehr Marktanteile und damit Gestaltungsmacht in vielen Regionen der Welt; auf der anderen Seite werden die Chancen der Zivilgesellschaft und sozialer Bewegungen, sich diesen Entwicklungen entgegenzustellen, zunehmend eingeschränkt.

Die avisierten Mega-Fusionen bei den Saatgut- und Agrarchemiekonzernen – Bayer/Monsanto, Dow/DuPont, Syngenta/ChemChina – sind ein Weckruf. Die Politik und die Wettbewerbsbehörden müssen sich mit den gesellschaftlich relevanten Folgen der Fusionen in bereits hochkonzentrierten Märkten beschäftigen. Sie müssen eine Reform des Wettbewerbsrechts vorantreiben, um eine weitere Konzentration entlang der gesamten Lieferkette zu verhindern. Die Debatte um die Neuzulassung von Glyphosat im vergangenen Jahr hat aber gezeigt, wie stark die Politik und ihre Institutionen leider mit den Interessen der Wirtschaft verwoben sein können. Immer mehr Menschen organisieren sich und  kaufen so ein, dass entlang der Wertschöpfungskette wieder Vielfalt entstehen kann. Um aber Hunger und Armut zu beenden und die Umwelt weltweit zu schützen, reicht das nicht aus. Der Rückzug der Politik aus der Wirtschaft ist ein wichtiger Grund für die heutigen kolossalen Klima- und Umweltschäden und für die globale Ungerechtigkeit. Daher ist es höchste Zeit für eine sozial-ökologisch orientierte politische Regulierung der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Mit dem Atlas möchten wir eine breit geführte gesellschaftliche Debatte dazu anstoßen."


Der KONZERNATLAS 2017 ist ein Kooperationsprojekt von Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Oxfam Deutschland, Germanwatch e.V. und Le Monde diplomatique.
 

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AutorInnen
Christophe Alliot, Dietmar Bartz, Reinhild Benning, Christine Chemnitz, Jennifer Clapp, Olivier De Schutter, Roman Herre, Saskia Hirtz, Emile Frison, Meera Karunananthan, Peter Kreysler, Benjamin Luig, Sylvian Ly, Heike Moldenhauer, Sophia Murphy, Christine Pohl, Christian Rehmer, Christoph Then, Jim Thomas, Jan Urhahn, Katrin Wenz, John Wilkinson
Seiten
52
Publikationsdatum
1/2017