G20 muss armen Ländern helfen

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G20 muss armen Ländern helfen

Blog-Beitrag von Christoph Bals (Germanwatch) und Peter Höppe (Munich Climate Insurance Initiative (MCII)), März 2017

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Die 20 größten Industrie- und Schwellenländer haben eine Verpflichtung, armen Ländern bei der Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels zu helfen. Eine Klimaversicherung kann einen konkreten Beitrag der G20-Staaten bei ihrem Gipfel im Juli in Hamburg darstellen.

Wetterextreme sind im Begriff, die Norm zu werden: Als drittes Jahr in Folge war 2016 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In Asien brach beispiellose Hitze im Frühling Temperaturrekorde in Indien, Thailand, Laos und Kambodscha. Getrieben von einem der stärksten je erlebten El Niños löste eine Dürre in Afrika eine Nahrungsmittelkrise mit mehr als 36 Millionen Menschen aus. Und in Haiti machten die verheerenden Auswirkungen des tropischen Wirbelsturms "Matthew" 1,4 Millionen Menschen abhängig von humanitärer Hilfe.

Gerade Entwicklungsländer wurden erneut massiv getroffen. In der Langzeit-Analyse des Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch – betrachtet werden die vergangenen 20 Jahre – finden sich unter den zehn am stärksten betroffenen Staaten ausschließlich Entwicklungsländer.

Die G20 – die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer – ist für mehr als drei Viertel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Es ist deshalb gut, dass die Bundesregierung in ihrer derzeitigen Rolle als G20-Präsidentschaft eine substanzielle klimapolitische Agenda voranbringen will.

Neben der Vorlage von anspruchsvollen Klimaschutzplänen aller G20-Staaten für die Zeit bis 2050, dem Abbau umweltschädlicher Subventionen, einer CO2-Bepreisung oder Investitionen in klimafreundliche Infrastruktur (und entsprechenden Regeln) muss die G20 aber auch Verantwortung für ihren Beitrag zum Klimawandel übernehmen und vor allem die verletzlichen Länder, die nicht zu den relevanten Verursachern gehören, im Kampf gegen die globale Klimakrise unterstützen.

Klimarisikomanagement, Klimaversicherung und Versicherungspools

Ein mögliches Ergebnis des G20-Gipfels im Juli in Hamburg könnte eine G20-Agenda für Klimaversicherungen und Versicherungspools sein. Schon während der deutschen G7-Präsidentschaft 2015 hat die Bundesregierung hier einen wichtigen Akzent gesetzt. "InsuResilience", die beim damaligen Gipfel in Elmau ausgerufene Initiative, will durch Versicherungs-Ansätze einen Schutz vor Unwetterfolgen für bis zu 400 Millionen arme und verwundbare Menschen organisieren. Bisher konnten für diese Initiative mehr als 500 Millionen US-Dollar gesammelt werden. Die Umsetzung erfolgt vor allem in Afrika, der Karibik und im pazifischen Raum.

Auf diesen klimapolitischen Erfolg sollte aufgebaut werden. Konkret sollte die G20 einen Prozess organisieren, der besonders regionale Versicherungspools unterstützt und weiter ausbaut. Initiativen wie die African Risk Capacity (ARC) verbinden Vorhersagemodelle zu Dürrerisiken mit Versicherungsinstrumenten, vor allem zur Finanzierung von humanitären Einsätzen. So will man drohende Hungerkatastrophen früher erkennen und Hilfe schneller auf den Weg bringen.

Als Versicherungspool organisiert fasst man das Risiko mehrerer Länder zusammen, man diversifiziert es dadurch und reduziert die notwendige Prämie der einzelnen Staaten. Der Rückversicherungsbedarf über den internationalen Rückversicherungsmarkt kann dadurch niedriger ausfallen. Neben solchen Maßnahmen zum Risikotransfer ist aber auch ein umfassendes Klimarisikomanagement – also das Erkennen von Risiken, die Risikominderung und -prävention – eine notwendige, flankierende Maßnahme.

Neben der Unterstützung von Ansätzen zum Risikopooling – zum Beispiel durch Bereitstellung der notwendigen Daten, den Aufbau zusätzlicher Instrumente für bisher nicht abgedeckte Regionen und Klimarisiken sowie die mögliche Übernahme eines Teils des Risikos durch einen internationalen Pool – müssen G20-Staaten die Länder auch darin unterstützen, Klimaversicherungsinstrumente aktiv nutzen zu können. Dies sollte auch beinhalten, für besonders vom Klimawandel betroffene Länder bei den Prämienzahlungen finanziell zu unterstützen sowie in transparente nationale Strukturen und Pläne zu investieren. Diese müssen dafür sorgen, dass die ausgezahlten Mittel auch bei den Menschen ankommen. Zudem sind viele G20-Länder selbst stark vom Klimawandel betroffen und müssen sich ebenso anpassen. Hier kann nationales Versicherungspooling – also die Bündelung der Risiken von Provinzen, Bundesländern oder Städten – beitragen.

Privater Versicherungsschutz für die Mittel- und Oberschicht

In Entwicklungs- und Schwellenländern ist gegenwärtig nur ein Bruchteil der durch Naturkatastrophen verursachten Schäden versichert. Gezielte Marktentwicklung kann dafür sorgen, speziell für die Mittel- und Oberschicht einen privaten Versicherungsschutz für Naturkatastrophen auszubauen und so gleichzeitig mehr öffentliche Mittel für den Fall einer Katastrophe für besonders Betroffene sowie zur Wiederherstellung wichtiger Infrastruktur aufwenden zu können.

Jüngste ökonomische Studien haben gezeigt, dass Länder mit Versicherung die Folgen wetterbedingter Katastrophen wesentlich besser bewältigen können. Je größer die Absicherung durch Versicherungsinstrumente in einem Land ist, umso weniger fallen die jeweiligen nationalen Volkswirtschaften nach größeren Katastrophen in ein Loch mit langwierigen Konsequenzen. Eine Versicherung stellt verlässlich und schnell Mittel für Notfallpläne oder zur Reparatur von Schäden zur Verfügung, die wirtschaftlichen Tätigkeiten in den betroffenen Regionen können rascher wieder aufgenommen werden.

Die 20 größten Industrie- und Schwellenländer tragen einen Großteil zum Klimawandel bei, haben aber auch die wirtschaftliche Kraft, Lösungen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels voranzubringen. Es ist an der Zeit, dass sie auch beim Schutz der Verletzlichsten Verantwortung übernehmen. Den Startschuss dafür sollte Deutschland beim G20-Gipfel Anfang Juli geben.


Über die Autoren:


- Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Mercator. Für den Inhalt ist alleine Germanwatch verantwortlich. -

- Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.klimaretter.info -

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Publikationsdatum
3/2017